Sein Lebenslauf ist unkonventionell wie nur wenige in Deutschland: Joseph Martin "Joschka" Fischer wurde am 12. April 1948 in Gerabronn (Baden-Württemberg) als Sohn einer ungarndeutschen Aussiedlerfamilie geboren. Nach der mittleren Reife begann er eine Fotografenlehre, die er aber abbrach. Mit Beginn der Studentenproteste beschäftigte er sich mit Karl Marx, Mao Tse-tung und Georg Wilhelm Friedrich Hegel, ebenso mit Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas und Oskar Negt und unterhielt Kontakte zum Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). Von 1968 bis 1975 war Fischer Mitglied im "Revolutionären Kampf", einer linksrevolutionären Zelle, die Gewalt gegen das Establishment guthieß. Davon distanzierte er sich jedoch 1977 angesichts der Ereignisse des "Deutschen Herbstes". 1983 wurde Fischer für die Grünen, zu deren Gründungsmitgliedern er gehört, in den Bundestag gewählt. Dort zählte er mit Otto Schily zum "realpolitischen" Flügel. 1985 wechselte Fischer nach Hessen und wurde in der ersten rot-grünen Landesregierung unter Holger Börner (später auch unter Hans Eichel) Minister für Umwelt und Energie. Schon durch seine Sprachgewalt und durch unkonventionelle Auftritte – zum Beispiel erschien er bei seiner Vereidigung in Jeans und weißen Turnschuhen – erregte Fischer Aufsehen. 1994 legte er seine Landesämter nieder, um die Funktion des Fraktionssprechers von Bündnis 90/Die Grünen zu übernehmen. 1998 wurde er unter Kanzler Gerhard Schröder Außenminister.

In den folgenden Jahren war Fischer – ob schlank, ob schwergewichtig – stets der beliebteste deutsche Politiker. Im Februar 2005 geriet er jedoch in der sogenannten Visa-Affäre unter Druck. Im Untersuchungsausschuss übernahm er die alleinige Verantwortung für die missbräuchliche Erteilung von Visa in Osteuropa. Im selben Jahr erhielt er den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden für seine Bemühungen im Nahostkonflikt.

Kurz nach der rot-grünen Wahlniederlage im September 2005 verkündete Fischer seinen Rückzug aus der aktiven Parteipolitik und folgte dem Ruf der US-Universität Princeton für eine Gastprofessur.

Fischer ist in fünfter Ehe mit der Filmemacherin Minu Barati verheiratet. SW