Nun sind die olympischen Wochen wieder vorbei, ein kurzer Rausch nach sieben Jahren Vorbereitung.

Als Sportveranstaltung haben diese Spiele perfekt funktioniert. Die Organisation verlief reibungslos. Die Wettkämpfe waren offiziell ausverkauft, die Zuschauer  keine zwangsverpflichteten Jubelchinesen, sie verhielten sich überwiegend sachkundig und fair. Die sportlichen Leistungen waren herausragend, allein in den Schwimmwettbewerben gab es 24 Weltrekorde.

Spätestens hier zeigt sich, dass der Lack, der das Produkt Olympia so schön glänzen lässt, noch nie so dünn war wie diesmal. Alle Höchstleistungen, inklusive der acht Goldmedaillen des US-Schwimmers Michael Phelps, sehen Publikum und Berichterstatter mit Unbehagen. Offiziell gab es bei diesen Spielen nur eine Handvoll Dopingfälle. Aber wer weiß, wie die Bilanz in ein paar Jahren aussehen wird. Die Ahnung, dass, wie nach vergangenen Olympischen Spielen, Gewinner nachträglich überführt werden könnten, mindert die Freude an den Siegen.

Und auch auf der symbolischen Ebene waren dies die Spiele des großen Aber. Von der gigantischen Eröffnungsfeier bis hin zum Lächeln des kleinsten Freiwilligen haben sich die Veranstalter bemüht, China als modernes, aufstrebendes, als friedliches und harmoniesüchtiges Land zu zeigen. Aber im selben Moment hat es Demonstrationen verhindert, Protestierer verhaftet und abgeschoben.

Der zentrale Begriff in der politischen Diskussion wird zudem völlig gegensätzlich interpretiert: Öffnung. Die Organisatoren verstehen darunter, dass sich das Land endlich in seiner Vielfalt präsentieren kann und sich die Gelegenheit bietet, Vorurteile abzubauen und Klischees zu entkräften. Für Chinas Kritiker bedeutet Öffnung: Veränderung. Als Lohn für die Chance zur Selbstdarstellung möge das Land ein Rechtsstaat nach westlichem Muster werden. Diese Hoffnungen haben getrogen – weil die Wirklichkeit komplizierter ist: China ist noch keine Demokratie, aber auch kein totalitärer Staat mehr.