Schon die Premiere der Fernsehkonfrontationen zur Nationalratswahl am Freitag verspricht den Höhepunkt der Sendungsreihe. Original gegen Kopie. Verräter gegen Gralshüter. Südmark gegen Ostmark. Haider gegen Strache. Zwei Kampfhähne aus dem gleichen Stall, der nun eben zwei konkurrierende Filialen unterhält. Über dem einen ist das Schild BZÖ angebracht, über dem anderen kann man FPÖ lesen. In beiden riecht es übel.

Getragen wird das Schaugefecht, zu dem die beiden antreten, allerdings nicht von inhaltlichen Differenzen – da unterscheiden sie sich voneinander nur durch stilistische Nuancen. Die Spannung im Vorfeld rührt von dem zu erwartenden Aufeinanderprall zweier narzisstischer Charaktere. Der eine schon ein wenig altersmilde und mitgenommen, der andere noch ungestüm und nicht von der Laune der Wählergunst zerzaust. Aber so unbekümmert war der Senior auch einmal, damals, als sein Aufstieg noch unaufhaltsam erschien.

Es hat vor allem psychologische Gründe, dass die beiden einander nun seit drei Jahren fortdauernd befehden. Politische Ursachen besitzt das Schisma der Rechten hingegen kaum – und wo das eine oder andere Unterscheidungskriterium ins Treffen geführt wird, ist es an den Haaren herbeigezogen. Die Auseinandersetzung der verfeindeten Zwillinge ist mehr oder weniger ein Nullsummenspiel.

Natürlich ist der fortgesetzte Zwist für das sogenannte Dritte Lager kontraproduktiv. Es wird dadurch jenes Einflusses beraubt, den ihm die Verdrossenheit breiter Wählerschichten eigentlich bescheren würde. In aktuellen Umfragen befinden sich BZÖ und FPÖ gemeinsam bereits wieder auf gleicher Augenhöhe mit den zwei derzeit noch größeren Parteien; in einem verlässlichen, nicht veröffentlichten Poll liegen gegenwärtig beide zusammen bei rund 24 Prozent (zum Vergleich: SPÖ bei 26 und ÖVP bei 27 Prozent). Allerdings wird das wiedererstarkte Protestpotenzial den populistischen Parteien nichts nutzen. Zersplittert, wie sie sind, werden sie es vermutlich auch nach dem nächsten Wahlgang nicht in die Waagschale werfen können. So sind sie vielen ein Ärgernis; ein Machtfaktor sind sie nicht. Noch nicht.

Das wissen die klügeren Köpfe, die es in diesen krawalligen Parteien auch gibt, allerdings nicht an vorderer Front. Jetzt ist zwar nicht die Zeit, Wege zur Wiedervereinigung zu sondieren, doch nach der verpassten Möglichkeit vom 28. September wird der Druck, endlich ein Arrangement zu treffen, zweifellos stark anwachsen.

Bereits heute zeichnet sich ab, wie solch ein Pakt aussehen könnte. Jörg Haider ist überall mit seiner Abspaltung BZÖ kläglich gescheitert – mit der Ausnahme seiner Südmark natürlich, wo sich für ihn mittlerweile sogar eine absolute Mehrheit in Reichweite befindet. Schon jetzt hat er die Kräfte seines Bündnisses in seinem Alterssitz Klagenfurt konzentriert. Vernünftigerweise wird er seine Bastion in eine künftige freiheitliche Union einbringen und sich aus dem Rest des Landes zurückziehen, wo ihm ohnehin nur Blamagen drohen. Von Kärnten aus kann er dann ähnlich irredentistisch-konstruktiv herumpoltern, wie das etwa die bayerische Staatspartei CSU gern im konservativen deutschen Unionsverbund tut. An Haiders Einsicht würde solch eine Lösung wahrscheinlich nicht scheitern. Seine Vasallen folgen ihm ohnehin über Stock und Stein.

Anders sein Rivale HC Strache in Wien. Bei ihm ist mit Einsicht nicht zu rechnen. Der bezieht seine Identität hauptsächlich daraus, dass es ihm täglich gelingt, aus dem Schatten seines Vorgängers zu treten – mit anderen Worten: Er verfügt über ein zwar ausgeprägtes, aber schwaches Ego. Es wird Sache der freiheitlichen Eliten sein, das sind die Herren mit den bei Mensuren zernarbten Gesichtern, überzeugende Argumente zu finden. Sie werden vermutlich bei Souvenirs aus den stürmischen Jugendjahren ihres Parteiführers fündig werden. Strache war ja damals auch privat in der braunen Subkultur verwurzelt. Und wer einmal mit der Wikingjugend auf Ostlandfahrt ging, der hat mit Sicherheit keine nur flüchtige Reisebekanntschaft geschlossen. Die rechte Szene wird eben ein wenig in ihren Erinnerungsfotos kramen müssen. Häufig bewirkt ja bereits das Vorzeigen der Folterinstrumente, dass Ketzer ihrem Irrglauben abschwören.