Damit hatte ich nicht gerechnet. Ausgerechnet meine Frau, die – ganz Hanseatin – Entscheidungen gerne sorgfältig abwägt, fällt aus dem Stand ihr Urteil: "Den würde ich kaufen." Dabei hat sie den elegant gestylten schwarzen Kompaktwagen bislang nur von außen betrachtet, und wir haben noch keinen Meter unserer Testfahrt vom Stuttgarter Flughafen ins Salzburger Land zurückgelegt.

Bislang galt ein leuchtend blauer Golf, den wir uns vor einiger Zeit mal ausgeliehen hatten, als ihr Favorit für die Nachfolge unseres mittlerweile gut sieben Jahre alten Familienkombis. Doch offenbar haben die Designer von Hyundai gute Arbeit geleistet. Dass die Koreaner mit dem i30 den mitteleuropäischen Geschmack getroffen zu haben scheinen, kommt freilich nicht von ungefähr. Entwickelt wurde der Herausforderer von VW Golf, Opel Astra, Peugeot 308 und Co. nämlich im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum von Hyundai.

Dort hat das multinationale Ingenieurteam auch den 1,6-Liter-Diesel konstruiert, der mich, den Testpiloten mit schwäbischen Wurzeln (Motto: Alltagstauglichkeit zählt), auf den knapp 1000 Testkilometern positiv überrascht. Mit moderner Direkteinspritzung und Rußpartikelfilter ist er voll auf der Höhe der Zeit. Das dieseltypische Nageln verschwindet schon kurz nach dem Start, die Maschine zieht selbst voll beladen mit Frau und Tochter samt großem Gepäck stets gut durch. Und das Beste: Der CRDi verbrannte im Schnitt nur 5,3 Liter auf 100 Kilometer. Damit kommt der Hyundai i30 fast ran an die Werte auf dem Papier, die ihm im EU-Normzyklus mit 4,7 Liter Verbrauch und einem CO2-Ausstoß von 125 Gramm pro Kilometer ökologisch korrekte Werte bescheinigen.

Drei Handicaps wiesen viele Importmarken bislang oft auf: gewöhnungsbedürftige Bedienung, nachlässige Verarbeitung und lieblose Innenraumgestaltung. Aber auch da überrascht der Hyundai. Die Bedienung gibt keine Rätsel auf, es knackt und klappert nichts, und abgesehen von etwas zu viel Hartplastik an der einen oder anderen Stelle braucht sich der Deutschkoreaner nicht vor der europäischen Konkurrenz zu verstecken. Man werde doppelt so schnell lernen wie die Japaner, haben mir die Hyundai-Leute vor einigen Jahren bei einem Werksbesuch in Südkorea erzählt. Sie haben das offenbar ernst gemeint. Wird der Nachfolger unseres betagten Kombis ein koreanisches Markenzeichen tragen? Mal sehen. Im Herbst kommt der neue Golf.

Technische Daten :
Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 85 kW (116 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 11,6 s
Höchstgeschwindigkeit: 188 km/h CO2-Emission: 125 g/km
Durchschnittsverbrauch: 4,7 Liter
Basispreis: 17.290 Euro