In Sommerloch in Rheinland-Pfalz leben übrigens 414 Einwohner (sind das eigentlich Sommerlöcher?) und sieben Winzer, die auf rund 100 Hektar Wein anbauen. So weit, so tröstlich. Im Sommerloch, wo der Rest der Republik sich aufhält, herrscht hingegen tote Hose. Früher fanden darin Rhein-Krokodile, bayerische Braun- und Saubären und Politiker mit spektakulären Forderungen wie "Mallorca muss 17. Bundesland werden" (Dionys Jobst), "Auftrittsverbot für Madonna in Deutschland" (Norbert Geis), "Ehe nur noch befristet" (Gabriele Pauli) Platz sowie veritable Kanzler nebst possierlichem Getier (Helmut Kohl am Wolfgangsee).

Nun hat eine Studie internationaler Klima-Experten im Auftrag des Bundesumweltministeriums herausgefunden: Das Sommerloch erwärmt sich nicht nur jedes Jahr um gefühlte zwei Grad Celsius, es wird auch immer kleiner. Erstmals musste dieses Jahr sogar ein Stammgast aus dem Sommerloch verschwinden, weil er keine Bedarfsgemeinschaft vorzuweisen hatte: Nessie soll es in Wahrheit nie gegeben haben. Stattdessen, so mussten wir dieser Tage lesen, habe es sich um badende Elefanten gehandelt, deren Fotos ein Zirkusdirektor clever vermarktet habe. Kein Ungeheuer nirgends, von originellen politischen Forderungen nicht die Spur, und Olympia ist auch vorbei. Jetzt tut es uns doch ein bisschen leid, dass wir immer so kritisch mit unseren Spitzenkräften waren. Hey, Politiker, war nicht so gemeint, kommt raus aus euren Sommerlöchern – wir wollen wieder regiert werden! Tina Hildebrandt