Wie fremd darf das Fremde sein? "Benares! – Das klingt so melodisch, so weich, so schmeichelnd, wie der Kosename eines mit zauberhaften Reizen ausgestatteten Weibes…", seufzte der Hamburger Forschungsreisende Otto E. Ehlers (1855 bis 1895). "Man kommt, man sieht und findet an Stelle der erwarteten, ewig sich verjüngenden Schönen, ein altes runzeliges, aussätziges Weib…" Die Stufen zum Ganges hinunter sind Stätten der Andacht, der Leichenverbrennung oder auch nur der heiligen Waschungen von Tausenden, wie die Dasasummad-Ghat, hier in einer handcolorierten Aufnahme des örtlichen Fotostudios Saeed Bros. (um 1905). Der Band des Heidelberger Kunsthistorikers Joachim K. Bautze Das koloniale Indien. Photographien von 1855 bis 1910 (Fackelträger Verlag, Köln; 320 S., 49,95 €) versammelt historische Aufnahmen aus Indien, jede einzelne von ihnen die langen Betrachtungszeiten wert, die es vor über hundert Jahren gekostetet hat, sie so aufzunehmen.

Abb.: Studio "Saeed Bros." aus dem besprochenen Bildband, Seite 267