Antiatommüllprotest kann nicht sichtbar genug sein. Damit die Fotografen aber auch draufhalten, müssen die Aktivisten sich immer etwas Neues einfallen lassen. 1979 schwante ihnen schon etwas wie Medienzeitalter, Ökonomie der Aufmerksamkeit, Selbstmarketing. Und so entdeckten Gorlebener Bauern in jenem nieseligen Frühjahr den Humor, wobei sie elaborierte Formen des Komischen wie Schwank (zu lang) oder Minnesangparodie (zu voraussetzungsreich) vermieden. Denn die Fotojournalisten hatten damals noch weniger Zeit als heute. Und so schmückte sich der Protesttreck gegen das Atommüllendlager G. mit einem derb-drolligen Knittelvers im Stil des mittelalterlichen Meistersingers Hans Sachs. Vielleicht besinnen sich Demonstranten künftiger Jahrhunderte ihrerseits auf den Gorlebener Acker-Kacker-Reim. EF

Damals: 25.3.1979

Fotos: Mehner/ullstein; Andreas Schoelzel/epd (kl.)