Schwarze Fabrikarbeiter am Fließband in Detroit, juwelenbehängte Ladys auf einem New Yorker Wohltätigkeitsball – der Schweizer Fotograf Robert Frank hat den Mythos vom amerikanischen Traum in seinem Bildband The Americans (1958) nachhaltig entlarvt. Stilbildend wirkten seine 83 Momentaufnahmen (unser Bild zeigt Menschen auf einer Parkbank in St. Petersburg, Florida) auf nachfolgende Kollegengenerationen; das Werk in grobkörnigem Schwarz-Weiß wurde zum Kultbuch. Dennoch war es jahrelang vergriffen. Wer das Glück hatte, eine Originalausgabe zu erwerben, musste dafür 2000 Dollar bezahlen. Nun hat der Steidl Verlag Franks Ansichten von Glanz und Elend einer demokratischen Gesellschaft neu aufgelegt, im Kleinformat und zum erschwinglichen Preis: Stillleben von Musikboxen, Briefkästen und Särgen, ein einsamer Cowboy im Großstadtgetriebe New Yorks. Und Jack Kerouac, der den Text zu diesem Jahrhundertbuch schrieb, behält das letzte Wort: "Wer diese Bilder nicht mag, der mag auch keine Gedichte." CS

Robert Frank: "Die Amerikaner". Mit einer Einführung von Jack Kerouac; übersetzt von Hans Wolf; Steidl Verlag, Göttingen 2008; nicht paginiert, 30 Euro

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Foto: © Robert Frank