Ausländische Studenten leiden unter der Bürokratie an deutschen Universitäten. Die größten Schwierigkeiten: Finanzierung, Organisation - und Integration

Ihr Platz im Deutschkurs des Leipziger Studienkollegs blieb leer. Die Zusage hatte die Studienbewerberin nicht rechtzeitig erreicht. Schuld war nicht die Post, sondern eine Lücke in ihren Prüfungsunterlagen: Weil die Mongolin nach nur einem Monat in Deutschland mit Postleitzahlen nichts anzufangen wusste, hatte sie nur Straße und Hausnummer angegeben. "Als ich herkam, war alles neu für mich – auch die Adressen. Ich wusste nicht, wozu Postleitzahlen gut sind", sagt sie. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen.

Studienbewerber aus dem Ausland fühlen sich oft überfordert. Wer jenseits der EU-Grenzen nicht das Glück hat, ein Stipendium oder reiche Eltern zu haben, muss sich durch den Bürokratiedschungel kämpfen, muss Zeit, Geld und Nerven investieren.

Rund 190.000 sogenannte Bildungsausländer, die zum Studium hierher gekommen sind, besuchen laut der Sozialerhebung des Studentenwerks deutsche Hochschulen – fast ein Zehntel der gesamten Studentenschaft. 85 Prozent sind sogenannte Free Mover, die sich ohne Austauschprogramm durchschlagen. "Ein Auslandsstudium ist aufwendig", sagt Karl-Heinz Korn vom Akademischen Auslandsamt der Uni Köln, "ich habe sehr großen Respekt vor der Leistung der Studenten, die all diese Hürden überwinden."

Die größten Schwierigkeiten sind dabei neben der Integration die Finanzierung und die Organisation des Studiums. Das deutsche Hochschulsystem und seine Voraussetzungen – gerade in seiner Umbruchphase – zu durchschauen fällt selbst deutschen Abiturienten schwer. "In den Heimatländern ausländischer Studierender ist das Studiensystem oft verschulter und damit klarer und übersichtlicher", sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. 40 Prozent geben an, Schwierigkeiten mit der Orientierung zu haben.

Es ist ein Hürdenlauf, an dessen Ende erst der Beginn eines Studiums steht. Wer ein Visum will, muss die Zulassung an einer Uni vorweisen, teils schon Deutschkenntnisse und einen Finanzierungsnachweis. Aber auch damit ist man noch lange kein Student: Schulabschlüsse aus dem Ausland werden nicht automatisch anerkannt, und dann steht vor der Uni das Studienkolleg, das auf das Studium vorbereiten soll. Und davor wiederum eine Sprachprüfung. Die meisten Bildungsausländer haben daher schon Studienerfahrung, bevor sie ihr Studium in Deutschland beginnen, fast ein Drittel kann sogar einen Abschluss vorweisen.