Arabisch ist keine Sprache, die man mal eben zum Zeitvertreib lernt. Wenn sich der Rektor einer deutschen Eliteuniversität mehr als ein Jahr lang in seinen wenigen freien Stunden hinsetzt und Arabischvokabeln paukt, muss es einen guten Grund dafür geben.

Burkhard Rauhut hat einen. Der langjährige Rektor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) wurde vor zwei Wochen emeritiert, aber die neue Aufgabe wartet schon auf ihn: Vom 1. September an leitet er die German University of Technology in Oman (GUtech), einen Ableger der RWTH in Masqat, der Hauptstadt des Sultanats Oman. Eines Landes im Südosten der Arabischen Halbinsel mit drei Millionen Einwohnern, eines Landes, das berühmt ist für seinen Weihrauch und für seine Berge, die Geologen aus der ganzen Welt anlocken, das reich wurde durch Öl – und für das Hochschulbildung mehr oder weniger Neuland ist.

Rauhut hatte in Aachen 30.000 Studenten, 2000 sollen es in ein paar Jahren an der German University werden. Die Uni ist provisorisch in zwei Villen an der Strandstraße am Arabischen Meer untergebracht. Die Baupläne des neuen Campus hängen am Schwarzen Brett. "Wir wollen klein anfangen", sagt Rauhut. Man geht bedächtiger vor als in den Nachbarländern.

In den Emiraten am Golf hat ein regelrechter Bildungsboom eingesetzt. Ein Ende des Ölrauschs naht, und die Scheichs setzen auf Bildung, um die Zukunft ihrer Fürstentümer zu sichern. Der Rohstoff von morgen heißt Wissen. Besonders gefragt sind Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und technische Fächer. Weil es schnell gehen soll und weil man gute Qualität haben will, kauft man sie ein. Meist aus dem Westen. Und die Universitäten kommen gern, vor allem aus Australien, Großbritannien und den USA. Die Golfländer prosperieren, da will man Plätze besetzen, Bildung wird zum Exportschlager, und wo sonst bekommt man einen kompletten Campus auf dem Silbertablett serviert.

Qatar etwa hat eine riesige Education City hochgezogen, mehrere amerikanische Hochschulen bieten dort ihre Programme an, im Emirat Abu Dhabi hat die Sorbonne eine Filiale eröffnet, die New York University ist auch vertreten, Dubai protzt mit einem Knowledge Village, und sein Herrscher Scheich Mohammed al Maktum hat eine 10-Milliarden-Dollar-Stiftung angekündigt, um Wissen und Forschung voranzutreiben. Selbst Saudi-Arabien, nicht gerade als wissenschaftsfreundliches Land bekannt, will mit der King Abdullah University of Science and Technology eine internationale Wissenschaftselite ins Land holen, 12,5 Milliarden sollen dafür bereitgestellt werden. Mit dabei ist unter anderem die TU München.

Dass in Oman die RWTH Aachen zum Zuge kam, hat viel mit Michael Jansen zu tun. Der RWTH-Professor für Stadtbaugeschichte ist Gründungsrektor der German University, er hat in dem Sultanat einen archäologischen Park aufgebaut und über Jahre hinweg ein enges akademisches Netzwerk geknüpft, ohne das es den Aachener Ableger nicht gegeben hätte.

Die Studenten sollen hier einmal Informationstechnik studieren, Geowissenschaften, Stadtplanung, Regionales Management und Tourismus. Die Studiengebühren betragen umgerechnet gut 4000 Euro pro Semester. Die Uni am Golf soll keine Lehruniversität werden, sondern auch und vor allem eine Forschungsuniversität. Die Gelder für Campus, Lehre und Forschung kommen ausschließlich von omanischen Investoren. Die Inhalte ausschließlich aus Aachen. Die Berufungen laufen ebenfalls über die RWTH.

"Die größte Herausforderung wird es sein, unsere Qualität aufrechtzuerhalten. In diesen Ländern herrscht eine andere Lernkultur, es geht da mehr ums Auswendiglernen. Wir wollen Kreativität fördern und selbstständiges Arbeiten", sagt Rauhut. Für die Qualitätssicherung ist auch der DAAD eingebunden. Um die zukünftigen Studenten auf ein hochschulfähiges Niveau zu bringen, gibt es ein Vorbereitungsjahr. Wer die Prüfungen am Ende des Foundation Year nicht besteht, bleibt draußen.