Das Undenkbare ist in greifbare Nähe gerückt. Immer wenn es in der Vergangenheit um die Schwierigkeiten der beiden US-Hypothekenaufkäufer Fannie Mae und Freddie Mac ging, hieß es: "Zu groß zum Scheitern!" Schließlich halten oder garantieren die beiden über 40 Prozent des 12000 Milliarden Dollar schweren Marktes für Hypotheken auf US-Wohnimmobilien. Doch die Formel hat nichts Beruhigendes mehr: Am Montag stürzten die Aktien beider Institute ab. Im Vergleich zum Jahresanfang haben sie über 80 Prozent verloren.

Auslöser war ein Bericht des Anlegermagazins Barron’s, eine Übernahme durch die US-Regierung stehe bevor. Damit wären die Anteile der bisherigen Aktionäre wertlos; daher die überstürzte Flucht aus den Papieren. Sofort dementierte das US-Finanzministerium. Freddie Mac erklärte, man verfüge über genügend Kapital. Doch an den Märkten verpufften die Versicherungen. Zu oft haben sich in den vergangenen Monaten solche Beteuerungen nur wenige Tage später als Luftnummern erwiesen.

Ursprünglich waren Fannie und Freddie als biedere öffentlich-rechtliche Institute gestartet. Sie sollten Wohneigentum fördern, indem sie einen zweiten Markt für Baudarlehen eröffneten. Der US-Dreh dabei: Die Institute finanzierten sich an der Börse. Der Immobilienboom der vergangenen Jahre verwandelte die beiden in wahre Geldmaschinen. Das verdankten sie vor allem der Tatsache, dass die Käufer ihrer Wertpapiere – Anleger in Europa und Asien halten 1500 Milliarden davon – von einer implizierten Staatsgarantie ausgingen. Sie räumten ihnen die Kreditwürdigkeit von Staatspapieren ein. Lange mahnten Kritiker der politisch gut vernetzten Institute vor deren ungezügeltem Wachstum.

Jetzt scheint es, dass die Befürchtungen sich bewahrheiten könnten. Für den Immobilienmarkt in den USA ist das eine weitere Hiobsbotschaft, denn Fannie und Freddie sind die größten und bisher zuverlässigsten Abnehmer von Krediten. Die Rettungsaktion kann nach Hochrechnungen die US-Regierung 1000 Milliarden Dollar kosten – zusätzlich zu dem schon aufgelaufenen Rekordhaushaltsdefizit. Was eine staatliche Übernahme des Duos an den bereits hypernervösen globalen Finanzmärkten auslösen könnte, ist nicht abzusehen. Eines steht fest: Es wäre die spektakulärste Rettungsaktion in der US-Finanzgeschichte. heike buchter