Bahnchef Mehdorn muss glauben, er sei ein Schafhirte. Seine Kunden eine blökende Herde. Ohne Gedächtnis. Genügsam. Und treudoof. Anders ist nicht zu erklären, wie lässig er wieder einmal die Preise erhöhen will. Es ist die dritte Erhöhung in zwei Jahren, um wie viel genau, ist noch offen. Anfang 2007 stiegen die Ticketpreise durchschnittlich um 5,6 Prozent, im Dezember des gleichen Jahres noch einmal um drei bis fünf Prozent. Begründet hat das die Bahn vor allem mit steigenden Energiepreisen. Klingt einleuchtend?

Dann sollten die Schafe mal in den Geschäftsbericht für das Jahr 2007 schauen. Darin heißt es: Bei "Energien und Kraftstoffen lag das Auftragsvolumen – trotz höherer Energiepreise mit 2,0 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau". Die Bahn hat also über einen langen Zeitraum nicht mehr aufwenden müssen, um ihren Energiebedarf zu decken. Deutet man jüngste Aussagen richtig, dann ist der Anteil der Strom- und Dieselkosten an den Gesamtkosten über zwei Jahre gerade mal um drei Prozentpunkte gestiegen.

Trotzdem müssen sie wieder für den kommenden Preissprung mit herhalten, während das Fass Rohöl heute sogar ein Viertel weniger kostet als noch im Juli. Macht sich Mehdorn die Mühe, das zu erklären? Nein. Können seine Kunden nachvollziehen, warum sie bei steigenden Gewinnen mehr zahlen sollen? Nein. Einiges spricht dafür, dass der Hirte seine Schafe scheren will. Damit sich die Aktionäre nach dem geplanten Börsengang im Herbst einen dicken, warmen Strick leisten können. Könnte sein, dass sich die Schafe bald davonmachen. Aber nicht mit dem Zug.