Die Ächtung durch seine Kollegen sei das Schlimmste, was einem Forscher passieren könne, sagte einmal der ehemalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Ernst-Ludwig Winnacker. Angeblich sitzt die Furcht vor diesem Bann so tief, dass Wissenschaftler nach wie vor sehr selten ihr Fehlverhalten gestehen. Könnte es ebendiese Furcht vor dem Abseits sein, die manchen Betrüger nach einem Fehltritt immer tiefer in den Lügensumpf treibt?

Zumindest für die USA scheint diese Annahme unbegründet. Denn das endgültige Karriere-Aus muss kaum ein Betrüger fürchten. Ethiker von der Pennsylvania School of Medicine gingen der Frage nach, was mit Wissenschaftlern geschieht, nachdem ihnen Fehlverhalten nachgewiesen wurde. Sie befragten 43 überführte Forscher über ihr Leben nach der Tat. Das Ergebnis: So schlecht war es den Ertappten nicht ergangen. 37 hatten weiter publiziert – wobei sich ihre Publikationsrate pro Jahr allerdings halbiert hatte. Denn zunächst war die Entdeckung mit einigen Härten verbunden, viele mussten ihre Arbeitsstelle wechseln und finanzielle wie persönliche Einbußen ertragen. Aber von 28 Forschern, die zum Zeitpunkt der Tat an einer Universität gearbeitet hatten, waren 10 auch danach noch an der Hochschule beschäftigt. Die anderen waren in die Industrie abgewandert.

Auch außerhalb der USA zieht wissenschaftliches Fehlverhalten nicht automatisch das Karriere-Ende nach sich. Hwang Woo Suk war ein manischer südkoreanischer Klonforscher, der angeblich embryonale Stammzell-Linien aus dem Erbgut kranker Menschen erschaffen hatte. Er genoss weltweit Publizität und wurde dann als Betrüger entlarvt. Das einzig Echte in seinem Labor war der geklonte Hund Snuppy. Genau diesen Erfolg macht er nun zur Basis seines neuen Geschäftsfeldes bei der Firma Sooam Biotech: Er klont Hunde, und die Weltpresse berichtet.

Damit wissenschaftliches Fehlverhalten Konsequenzen haben kann, muss der fehlgeleitete Forscher jedoch erst einmal dingfest gemacht werden, und die Universitäten müssen bereit sein, das Fehlverhalten auch zu ahnden. In Deutschland hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft dafür ein Team aus drei Ombudsleuten gegründet, das entsprechenden Hinweisen nachgeht. Pro Jahr werden rund 50 Verdachtsfälle gemeldet, die Hälfte davon wird weiter verfolgt.

Doch deutsche Universitäten tun sich nach wie vor sehr schwer damit, Sanktionen auszusprechen. Statt Lob für die Aufdeckung der Tat zu erwarten, fürchten Hochschulen, die einen Fälscher in ihren Reihen ertappen, um den eigenen Ruf. Ähnlich steht es um jene, die als Whistleblower den ersten Verdacht aussprachen. Auch sie werden nicht für ihre Zivilcourage ausgezeichnet, sondern häufig geschnitten.

Es ist eine verkehrte Wissenschaftswelt: Die Wahrheitsverdreher können weiter arbeiten, die Kläger müssen sich verteidigen. Das wurmt auch das Ombudsgremium der DFG. Es arbeitet gerade an einem Kommentar zur Richtlinie der DFG, in dem auch mögliche Sanktionen für jede Art Verfehlung aufgelistet werden. Sie sollen die Universitäten daran erinnern, dass ein Durchgreifen möglich ist.