Eigentlich hätte Eginhard Vietz viele Gründe, ärgerlich auf die Chinesen zu sein. Seine Firma Vietz Pipeline Equipment aus Hannover liefert Spezialmaschinen für den Pipelinebau in alle Welt, aber in China wurde sie systematisch ausspioniert, sagt Vietz. Er produziert deswegen nicht mehr dort. Doch jetzt blieb Angela Merkel der Eröffnung der Olympischen Spiele fern, und Vietz hält es eher mit den verprellten Chinesen: Seine Firma habe durch Merkels Fernbleiben einen Auftrag verloren, und das sei kein Einzelfall. Die Bundeskanzlerin habe ihm schon mehrfach das Geschäft im Ausland verdorben.

DIE ZEIT: Sie werfen der Bundeskanzlerin vor, dass Sie ihretwegen einen Auftrag verloren haben.

Eginhard Vietz: Ja. Ich war vergangene Woche bei einem Kunden von uns, einer Unterorganisation der China National Petroleum Corporation. Das ist einer der drei größten chinesischen Ölkonzerne. Die haben von uns vor einigen Jahren für 3,8 Millionen Euro Geräte gekauft und brauchen jetzt Ersatzteile. Bei dem Verhandlungsgespräch kamen sie auf Olympia zu sprechen. Sie sagten, sie seien maßlos verärgert, dass Merkel nicht zu den Spielen gekommen ist. Gleichzeitig haben sie von ihrer Zentrale die Anweisung bekommen, sie sollen bis auf Weiteres keine Geschäfte mehr mit den Deutschen machen, sondern in Frankreich und den USA kaufen. Wir haben den Auftrag also nicht bekommen.

Zeit: Vielleicht ein Einzelfall.

Vietz: Ich bin mir sicher, dass es nicht nur mir so ergeht, sondern auch anderen Unternehmern. Eine solche Entscheidung wird in China nicht von einem Konzern im Alleingang getroffen. Man hört sehr viel in dieser Hinsicht, ohne dass ich jetzt Namen nennen will.

Zeit: Ist das nicht vor allem unverschämt von den Chinesen? Sie wurden schon ausspioniert und beklaut, jetzt sind Sie politisches Kanonenfutter.

Vietz: In diesem Fall würde ich aber genauso handeln. Warum einem Land einen Auftrag geben, das mich beleidigt?