Die erste Reaktion beim Losfahren ist: "Wow!" Dann kommt der Gedanke: "Man darf die US-Wirtschaft wirklich noch nicht aufgeben." Und schließlich denkt man, dass die deutschen Automanager ein ernstes Problem haben. Vergangene Woche stellte die kalifornische Firma Tesla ihren batteriebetriebenen Roadster in Deutschland vor, und das schicke Ding bietet eine wirklich unerwartete Lösung fürs Klimaproblem: Fahrspaß. Es beschleunigt schneller als ein normaler Porsche, und das nahezu lautlos. Viele Berichte bestätigen den Eindruck: Das Auto zu fahren ist für Männer wie Frauen, Jüngere wie Ältere ein Vergnügen.

Und doch, wie auch Teslas Chef zugibt, "wird dieses Auto allein die Welt nicht verändern". Es kostet mehr als 100.000 Euro, bis Ende 2009 werden höchstens 1.000 Exemplare hergestellt. Also warum die Aufregung? Weil Tesla ein Anfang sein könnte. Der mögliche Durchbruch für stromgetriebene Autos. Und damit der Anfang vom Ende der Dominanz klassischer, ölgetriebener Kisten – und eine Bedrohung für deren Hersteller. Das Besondere am Tesla ist nicht das Fahrwerk oder die Karosserie. Es ist nichts, was ins Fach der klassischen Autoingenieure fällt. Die kalifornische Innovation liegt in der Hardware und der Software des Antriebs, genauer darin, wie die vielen – aus Handys oder Laptops bekannten – Akkuzellen verbunden, gekühlt und dann geschaltet werden. Dieser Antrieb ist nicht an das Luxusfahrzeug gebunden, sondern kann – und soll – künftig auch deutlich billigere und familientauglichere Autos vorwärtsbringen.

Mal sehen, ob der Plan aufgeht. Es kann durchaus sein, dass Tesla scheitert oder aufgeht in einem großen Autokonzern. Doch erst einmal beweist die kleine Firma, dass die Lenker großer deutscher Autohersteller falsch lagen. Nicht nur, weil sie unterschätzten, wie weit man mit einer Batterieladung kommen kann. Sie waren lange auch der Meinung, ein Stromauto passe nicht zu ihrem Streben nach Fahrfreude. Das war so arrogant wie falsch.

Natürlich sind die Hürden für E-Autos nach wie vor gewaltig, vor allem beim Tanken, das Stunden dauert und bisher fast nur zu Hause möglich ist. Einige Energiemanager reden davon, ein dichtes Netz von Stromzugängen zu schaffen, am Restaurant, vor der Schule, im Parkhaus. Ausländische Vorkämpfer planen, an Anlaufstellen die leeren Batterien schnell gegen volle zu tauschen. Führt das zur Verkehrsrevolution? Es ist der typische Streit der Technologieoptimisten und der Systempessimisten. Jedenfalls darf man anfangen, sich etwas von den Stromern zu erwarten. Und die Manager der Autokonzerne sollten anfangen, sie zu fürchten. Die Akku-Autos bedrohen ihr Geschäft und ihre Art zu denken. Da hilft nur eines, um es mit einem Amerikanismus zu sagen: "Think again!"