"Yves Saint Laurent ist tot, es lebe YSL!"

Der Kunsthändler Michael Neff über die geheimnisvolle Sammlung von Yves Saint Laurent, die bald versteigert wird

Yves Saint Laurent vor seinem Portrait von Andy Warhol

Yves Henri Donat Mathieu-Saint-Laurent starb im Juni kurz vor seinem 72. Geburtstag an einem Gehirntumor – die vielen Antidepressiva, der Alkohol und die kleineren Drogenexzesse hatten sein Leben nicht verlängert. Im französischen Olymp wird dem Modedesigner nun neben Christian Dior, Edith Piaf und Napoleon Bonaparte ein Platz frei geräumt. Einer der letzten Schritte auf dem Weg zum unsterblichen Ruhm soll die Zurschaustellung und Versteigerung seiner Sammlung von Kunst, Antiquitäten und Design im Februar 2009 in Paris sein.

Den Zuschlag für die Versteigerung bekam jetzt Christie’s, in Zusammenarbeit mit dem Auktionshaus von Pierre Bergé, dem Lebenspartner, Mitsammler und Erben von YSL. Paris rätselt, wo die Auktion stattfinden wird – man geht von mindestens 300 Exponaten aus und von Tausenden Schaulustigen. Mehr noch als die Spekulationen über den Veranstaltungsort beschäftigt die Pariser allerdings die Frage, welche Werke aus der geheimnisumwitterten Sammlung von YSL und Bergé überhaupt versteigert werden. Rund 500 Millionen Euro soll sie wert sein. Es schwirren Namen aus sämtlichen Epochen der Kunstgeschichte durch die Gazetten: Velázquez, Goya (das schöne Porträt des zwei Jahre alten Don Luis Cistue y Martinez), Géricault. Blumenbilder und YSL-Porträts vom Meister des Pop Andy Warhol nebst immer wieder aktualisierten Siebdrucken der kleinen französischen Bulldogge Moujik. Dazu abstrakte Arbeiten von Fernand Léger neben Wandteppichen von Edward Burne-Jones aus dem 19. Jahrhundert, farbenfrohe Malereien von Henri Matisse sowie strenge Arbeiten von Picasso – dem Lieblingsmaler des Modemachers.

YSL war kein taktisch sammelnder Mensch, seine Kollektion gleicht eher einem Sammelsurium. Er kaufte, wo er sich wohlfühlte – in der Galerie Sonnabend oder aber auf Flohmärkten. Geschenke von Bekannten, Freunden und Schwärmen wie Buffet und Balthus integrierte er, alle nebeneinder aufgehängt, in seine Privatgemächer. Hier in der Rue de Babylone standen Möbel von Jean-Michel Frank neben Bronzelampen von Diego Giacometti, der Tisch in der Küche war vom Schreiner aus Marrakesch, die Stühle drumherum Louis XIV – jeder einzelne so viel wert, dass man davon die Häuser in der Nachbarschaft hätte aufkaufen können.

Der Ertrag aus der Auktion wird zwischen Pierre Bergé und der "Fondation Pierre Bergé – Yves Saint Laurent" geteilt werden. Wie der Wind seine Asche wird die Auktion die Dinge, die den Menschen Yves Saint Laurent umgaben, zerstreuen. Die Person verschwindet, das Logo YSL bleibt unsterblich. Michael Neff