Gut, dass es das Bundesverfassungsgericht gibt. Ich darf wieder in meiner Eckkneipe rauchen, muss nicht mehr bei Wind und Wetter auf der Straße stehen, obwohl ich mich gerade daran gewöhnt hatte. Nun habe ich ein anderes Problem: Mein Wirt serviert die besten Frikadellen der Welt, zumindest meine ich das. Dazu gab es ein Senftöpfchen mit extra scharfem Senf, den man mit einem Löffelchen nehmen konnte.

Das geht nun nicht mehr, da "zubereitete Speisen" in meiner Eckkneipe nicht mehr verzehrt werden dürfen. Ich muss mit meiner Frikadelle, dem Senftöpfchen und dem Löffelchen bei Wind und Wetter auf die Straße gehen. Mein Wirt hat schon ein Einsehen mit meiner Not und stellt den Senf in einer Tube bereit, aber dennoch brauche ich beide Hände zum Essen. Ich sehne mich nach dem Rauchverbot zurück, denn beim Rauchen draußen hatte ich zumindest eine Hand noch frei.

Wenn ich dann so auf der Straße stehe und meine Frikadelle genieße, beschleicht mich doch der Gedanke, ob mein fürsorglicher Staat für mich wirklich so gut ist.

Karl-Josef Michels, Wiedischhausen