Wenn Gewerkschaftschefs nicht ihren Mitgliedern und den Arbeitslosen gegenüber, die ihnen ja auch noch ›irgendwie‹ anvertraut sein sollten, eine Vorbildspflicht haben, wer sollte sie dann haben? Dass der General des Franziskanerordens vom Gesetz her berechtigt ist, umsonst erster Klasse zu fliegen, mag ja sein. Aber er sollte das nicht tun. Ich fürchte, der ver.di-Chef hat nur gemeint, er hätte aus Anlass des bevorstehenden Streiks diesen Erste-Klasse-Flug mit der Lufthansa nicht machen sollen, sonst aber doch.

Für mich bedeutet das: Das ist das Ende einer Internationalitäts- und Solidaritätspolitik der Gewerkschaften. Noch in den Zeiten des Kalten Krieges und der Apartheid in Südafrika fanden sich die Gewerkschaften zu einer solidarischen Arbeit und Unterstützung der Kollegen in den Habenichtseländern bereit. Das liegt weit zurück.

Wenn ich lese, Bsirske erhält für seinen Lufthansa-Aufsichtsratsposten 210000 Euro im Jahr, dann hätte ich früher klar gewusst, das geht in die Unterstützung der ausgelaugten Minenarbeiter in Katanga oder in Maniema/Demokratische Republik Kongo, über die Jean Ziegler so bewegt geschrieben hat. Heute weiß von solchen internationalen Verpflichtungen niemand mehr. Begütigend schreibt die ZEIT mir als jemandem, der noch an der alten Form der Gewerkschaft hängt: ver.di habe Regeln, nach denen der Großteil der Aufsichtsratsvergütung abgegeben werden muss. 25000 Euro darf er behalten.

Für 210000 Euro können wir in der afghanischen Provinz über fünf Schulen (je 40000 Euro) bauen.

Nein, das ist eine perverse Welt und Gesellschaft, gegen die es mal wieder eine Rebellion geben muss. Aber ich fürchte, die amtierende Studentengeneration wird das nicht tun. Eher deren Kinder. Wenn Kinder überhaupt noch gefragt sind.

Après nous le déluge!

Rupert Neudeck, Grünhelme e.V. Troisdorf