Als langjährige Leserin der ZEIT und der FAZ bin ich immer wieder erstaunt, wie in der Presse mit dem Thema Leiharbeit umgegangen wird. Auch Ihr Aufsatz behandelt nur einen Teil des Problems "Sozial ist, was Arbeit schafft". Was ich damit meine, will ich an einem Vorgang aus der Praxis verdeutlichen:

Ich kenne eine junge Frau, die vor über einem Jahr nach bestandener Facharbeiterprüfung als Elektronikerin eine Anstellung bei einer Zeitarbeitsfirma gefunden hat. Eingesetzt wird sie in ihrem erlernten Beruf bei einem namhaften deutschen Elektrokonzern. Da ihr Meister mit ihrer Arbeit sehr zufrieden ist, hat er sie aufgefordert, sich um eine Festeinstellung im Konzern zu bewerben. Obwohl die Auftragslage hervorragend ist – sie muss des Öfteren auch samstags arbeiten –, lehnte die Betriebsleitung eine Anstellung bislang ab. Ihr Lohn liegt derzeit nicht einmal bei der Hälfte des Lohnes der fest angestellten Mitarbeiter, die großteils nicht über eine Facharbeiterausbildung verfügen, sondern nur "angelernt" sind. Empört ist die junge Frau auch darüber, dass aufgrund der guten Leistung der Arbeitsgruppe zusätzlich eine Leistungsprämie gezahlt werden soll – aber nur an die "Festangestellten". Aber das ist noch nicht alles. Vor Kurzem lud der Betriebsleiter anlässlich seines Geburtstages zu einem Frühstück in die Kantine ein – aber nur die Festangestellten, nicht die Leiharbeiter.

Wundert es Sie, wenn sich diese junge Frau – mit ihren "ausgeliehenen" Kollegen – in unserem Wirtschaftssystem als "Mensch zweiter Klasse" fühlt und bei der nächsten Bundestagswahl die Linkspartei wählen will?

Elke Schütz, Heppenheim