Anders als Erich Loest schreibt, war es nicht Andrej Sacharow, der nach Solschenizyn bei Heinrich Böll Asyl fand, sondern Lew Kopelew. Sacharow ist nie emigriert – er wurde im Januar 1980 nach Gorki verbannt, wo er sechs Jahre verbringen musste.

So konnte Solschenizyn auch nicht, wie Greiner schreibt, 1974 von Böll und Kopelew "herzlich aufgenommen" werden, denn Kopelew kam erst im November 1980 nach Köln.

Wenn von Solschenizyns Archipel Gulag gesprochen wird, sollte von Warlam Schalamows Erzählungen aus Kolyma nicht geschwiegen werden. Deren erster Band erschien im vergangenen Jahr unter dem Titel Durch den Schnee. Im Unterschied zu Solschenizyn beschreibt Schalamow "die Destruktionskraft des Lagers ohne ästhetische Verfremdung, ohne moralische oder historische Belehrung und ohne politischen Appell", wie Wolfgang Sofsky bemerkt. "Es ist eine Prosa von lakonischer Kargheit und authentischer Präzision." So könnte der Tod Solschenizyns über den Impuls hinaus, sein Werk noch einmal zur Hand zu nehmen, Anlass sein, Schalamow zu lesen, den Beobachter, der in dem selbst Erlebten keine Helden kennt und keine humanistischen Tröstungen.

Uta Gerlant, Berlin