Dumm, wenn es trotzdem rauskommt. In diesem Fall geht es um einen riesigen Neubau der Möbelkette Höffner im Hamburger Bezirk Eimsbüttel. Als die CDU unter ihrem Bürgermeister Ole von Beust den Stadtstaat noch allein regierte, galt das Vorhaben schon als genehmigt. Kurz vor der Landtagswahl im Februar, aus der die neue schwarz-grüne Landesregierung hervorging, wurde es aber mit Rücksicht auf den potenziellen Koalitionspartner wieder auf Eis gelegt. Und tatsächlich: Für die grüne GAL, so stellte sich in den Verhandlungen mit der CDU heraus, war der Verzicht auf das Projekt "eine wesentliche Bedingung für das Zustandekommen der Koalitionsvereinbarung". Bürgermeister von Beust und CDU-Parteichef Michael Freytag trafen daher mit den beiden grünen Spitzen Anja Hayduk und Christa Goetsch "unter acht Augen eine mündliche und verbindliche Absprache", den Bau zu verhindern.

So steht es nachzulesen in einem internen Behördenvermerk. In der Koalitionsvereinbarung findet sich dagegen kein Wort über Möbel Höffner. Offenbar wollte man dem Investor keinen Grund geben, Schadensersatz zu verlangen. Dabei legt die geheime Vereinbarung den Verdacht nahe, dass für die Entscheidung über das Bauvorhaben nun nicht mehr die Regeln des Planungsrechtes, sondern politische Überlegungen den Ausschlag geben würden.

Für den öffentlichen Umgang mit geheimen Vereinbarungen dieser Art gilt eine einzige Regel: Schnauze halten und erst recht nichts aufschreiben. Aufgeschrieben hat die "unter acht Augen" getroffene Nebenabsprache der parteilose Wirtschaftsstaatsrat Gunther Bonz, der schon zu Zeiten der CDU-Alleinregierung dieses Amt innehatte. Von Bonz’ Schreibtisch aus fand der Vermerk irgendwie seinen Weg in die Hamburger Redaktion der Welt, die ihren Lesern den Sachverhalt en détail und auf nicht weniger als fünf Seiten darlegte. Es könnte sein, dass Bonz die Grünen mithilfe der Presse ärgern will.

Beispielsweise Christian Maaß, den neuen grünen Umweltstaatsrat. Während Bonz als Rammbock für Wirtschaftsprojekte gilt, könnte man den Umweltjuristen Maaß als seinen grünen Widerpart bezeichnen. In dem wichtigsten Konflikt der beiden geht es um das Kohlegroßkraftwerk Moorburg, das die CDU bereits zu schwarzen Regierungszeiten errichten wollte. Die Grünen möchten es verhindern. Möbel Höffner soll das Gesellenstück werden, könnte man sagen, Moorburg aber das Meisterstück – von Bonz oder von Maaß.

Am Dienstag hat der Senat das geheime Gespräch über Möbel Höffner eingeräumt, nachdem ein Senatssprecher wenige Tage vorher noch jeden Gedanken an Nebenabsprachen zum Koalitionsvertrag weit von sich gewiesen hatte. Hanseatisch ehrlich war das nicht. Für Möbel Höffner könnte das ein weiterer Grund sein, die nach eigenen Angaben bisher investierten 30 Millionen Euro vor Gericht einzuklagen. Auch eine angebliche Aussage von Christian Maaß könnte sich dabei als nützlich erweisen. Laut Bonz-Vermerk wollte er "fachliche Gründe" entwickeln, die einen Stopp des Planverfahrens rechtfertigen könnten – aus Maaß’ Sicht ist dies eine "böswillige Formulierung eines normalen Vorgangs". Die grüne Strategie gegen das Megakraftwerk Moorburg dürfte demnach ähnlich aussehen. Fragen zu Möbel Höffner beantwortet der Staatsrat inzwischen nicht mehr.

Die Schadensersatzforderungen von Möbel Höffner würde Bürgermeister von Beust wohl noch bezahlen, aus dem Staatssäckel natürlich. Schließlich will er gemeinsam mit den Grünen weiter regieren. Im Streit um Moorburg könnte der Schadensersatz allerdings erheblich teurer werden.