Wer den Mondsee einmal umrundet, 25 Kilometer sind das, kommt durch kleine Weiler, an alten Gasthäusern und Dreisternepensionen vorbei, die einst das Rückgrat des Salzkammergut-Tourismus formten. Der See schimmert smaragdgrün, Laubbäume biegen sich über den schmalen Kiesstrand. Nur die Westautobahn, die Anfang der 1960er Jahre brachial über dem Nordufer des Sees entlanggeführt wurde, ist ein weithin hörbarer Schnitt durch das Idyll. Andererseits war es die Autobahn, die in den Siebzigern und Achtzigern Massen deutscher Gäste hierher gebracht hat.

Im Ort Innerschwand steht, eingezwängt zwischen der Autobahn und einer Bundesstraße, das Haus der Familie Daxner. Vater und Sohn heißen Hubert Daxner und betreiben eine Fischerei am Mondsee, als Nebenerwerb. Mit einem langen, traditionellen Holzkahn fahren sie gemeinsam jeden Morgen hinaus auf den See und holen Felchen oder Seesaiblinge aus den fest verankerten Netzen. Den Fang verkaufen sie an Gasthäuser. Heute früh haben sie kaum etwas gefangen. Das Wasser sei gerade zu warm, sagt der Senior. Er erzählt von den 15 uralten Fischereirechten für den Mondsee, die meist an einem bestimmten Haus hängen. Die Fischer fürchten nun, dass die "Gräfin" ihr Überrecht dem neuen Besitzer überträgt und der ihnen das Geschäft verdirbt. Der Verkauf sei in den letzten Jahren immer wieder mal ein Thema gewesen, sagt Daxner junior. "Die Hauptangst ist, dass die Wasserflugzeuge vom Mateschitz hier landen." Der Salzburger Red-Bull-Milliardär mit seiner Leidenschaft für Flugzeuge und Formel-1-Autos verkörpert offenbar das ärgste Schreckgespenst von einem Städter, das die Mondseer sich ausmalen können. Jedenfalls hält sich das Gerücht, obwohl die Seebesitzerin beteuert, sie habe niemals einen Kontakt zu Dietrich Mateschitz gehabt.

Von Innerschwand sind es nur ein paar Kilometer in den Hauptort Mondsee. Der wird bestimmt vom Benediktinerkloster, das seit der Säkularisierung Schloss heißt, sowie einer gewaltigen Kirche. Darin befinden sich opulente Holzaltäre des Barockbildhauers Meinrad Guggenbichler. Die Messe liest jetzt im Sommer ein afrikanischer Aushilfspfarrer. Der Mondsee gilt Esoterikern als "Kraftort", deshalb findet im Schloss auch jedes Jahr ein internationaler Schamanenkongress statt. Am Marktplatz von Mondsee stehen knallig bunte Häuschen, als hätte sie der Hundertwasser selig bemalt.

Doch der Ort hat seine besten Tage hinter sich. Von 10000 Gästebetten, die es in den Siebzigern rund um den See gab, sind heute noch etwa 3500 übrig. Die Deutschen machen lieber anderswo Urlaub. Vorbei die fetten Zeiten, in denen Kanzler Kohl vom Wolfgangsee sonntags zur Messe in die Mondseer Pfarrkirche kam und hinterher, beklatscht von vielen deutschen Gästen, im Café Frauenschuh am Marktplatz ein Stück Torte verspeiste.

Vom Dorf führt eine alte Lindenallee zum Hafen hinunter. Dort stehen Boote für Rundfahrten bereit. Franz Meindl, Kapitän des Ausflugsschiffes Schafberg, fürchtet den anstehenden Seeverkauf nicht. Sein Recht, Touristen zu befördern, bleibe davon unberührt. Und während das Boot an der Drachenwand und an St. Lorenz vorbeigleitet, bekundet er seinen Respekt vor der "Gräfin": "Sie ist zwar eine Adelige, aber sie schaut auf die kleinen Leute und will den See nicht dem erstbesten Reichen verkaufen." Dass er vor einiger Zeit in ihrem Auftrag ein ganzes Boot voller arabischer Interessenten über den See gefahren hat, ist für ihn erst mal ein angenehmer Zusatzverdienst.

Information

Anreise:
Von Salzburg mit dem Bus an den Mondsee. Mit dem Pkw auf der A8 Richtung Salzburg, weiter auf der A1 bis zur Ausfahrt Mondsee