Peter Eigen?

Da lacht er wieder. Diesem fröhlichen Lachen kann man sich kaum entziehen, es blitzt aus seinen Augen unter den buschigen weißen Brauen, es strahlt vorbehaltlos. "Das kann doch der Sache nur nützen", sagt Peter Eigen dann und klingt so arglos, dass man ihm sofort glauben möchte.

Aber ist es wirklich so einfach? Schließlich hat Eigen, bekannt als Gründer der Antikorruptionsinitiative Transparency International, seit einigen Wochen eine komplizierte Nebenrolle: Er ist Präsidentschaftskandidatinnengatte. Und das verändert, wenn nicht das Leben, so doch die öffentliche Wahrnehmung seines Lebens ganz gehörig.

Eigen empfängt in der Eins, einem rheinischen Restaurant mitten im Berliner Regierungsviertel mit Blick auf die Spree. Sein Büro liegt direkt um die Ecke, gegenüber vom Reichstag. Nur mäßig an der Karte interessiert, bestellt er das Tagesgericht, lässt die Ochsenbrust dann aber ungerührt kalt werden und rührt auch seine Apfelsaftschorle nicht an. Den stattlichen Mann beschäftigt Wichtigeres als Essen oder Trinken, er will von vielen neuen Plänen berichten. Erst einmal aber beharrt Eigen erneut darauf: Die Aufmerksamkeit, die er wegen der Kandidatur seiner Frau Gesine Schwan für das Amt der Bundespräsidentin genieße, sei ganz und gar wunderbar. Sie nütze auch seiner eigenen Sache: dem Kampf gegen die Korruption. Denn der sei längst nicht gewonnen.

"Wenn man unter Beobachtung steht, muss man besonders sauber sein"

Diesem Kampf hat sich Eigen vor mehr als 15 Jahren verschrieben. Damals stieg er bei der Weltbank aus und gründete mit ein paar Freunden Transparency International (TI), in gemieteten Räumen, fast ohne Geld, aber mit viel Enthusiasmus. In atemberaubendem Tempo setzten sie das Problem auf die internationale Tagesordnung. Inzwischen ist es gerade auch dank TI längst zum Allerweltsthema geworden, viele Länder haben ihre Gesetze geändert, große Konzerne ihre Regeln – und Manager stehen wie im Fall Siemens wegen Bestechung vor dem Kadi. Doch Eigen denkt trotz seiner 70 Jahre nicht an den Ruhestand. Unlängst hat er erst wieder eine neue Organisation gegründet, die weltweit Geldflüsse im Rohstoffsektor überwachen soll.

Dieser Tage aber, und das ist neu, beschäftigt ihn auch seine Nebenrolle. Eigen erlebt, wie schnell man in politische Ränke mit hineingezogen werden kann. Die Wirtschaftswoche hatte ihm vorgeworfen, dass seine Berliner Büros im selben Gebäude wie die Humboldt-Viadrina School of Governance seiner Frau liegen, dass ihre und seine beruflichen und privaten Interessen zu sehr verwickelt seien. Der Mann reagiert auf diese Vorwürfe verwundert: Bisher habe ihm niemand irgendeine Unsauberkeit nachweisen können. Zudem seien die Konten der Organisationen getrennt und würden unabhängig geprüft. Und im Übrigen arbeite man auf einem ähnlichen Gebiet.