Der Urlauber liegt vielleicht am Badestrand, fernab von Radio und Touristenrummel. Er ahnt nicht, dass jenseits der Dünen Unheil naht. Dass sich, in wilden Wirbeln, ein Tornado gen Bucht wälzt. Dann aber summt sein Handy, und eine SMS rät: "Verlassen Sie sofort den Strand." Der Deutsche ReiseVerband (DRV) will die Kunden jetzt mit solch digitalen Briefchen umsorgen. "Wer in der Sonne liegt oder durch den Dschungel spaziert, ist oft vom Weltgeschehen abgeschnitten", sagt DRV-Präsident Klaus Laepple. "Ein Handy aber hat fast jeder dabei." Die Kurzmitteilungen sollen auch über Attentate berichten – oder wenn ein Pilotenstreik den Rückflug platzen lässt.

Bis dato spielt die SMS als Warnmittel kaum eine Rolle. Wollen Veranstalter ihre Kunden erreichen, rufen sie meist den Reiseleiter an oder schicken ein Fax ins Hotel. Nun setzt die Branche auf ein zeitgemäßeres Medium. 17 Reiseveranstalter möchten den SMS-Dienst anbieten. In ihren Katalogen prangt ein neues Logo: ein Handy, das über einer Weltkugel schwebt und grüne Strahlen aus der Luft empfängt. Wer jetzt im Reisebüro den Winterurlaub bucht, kann den freiwilligen "SMS-assist"-Dienst mitabonnieren. Er muss nur seine Handynummer angeben. Im Fall der Fälle liest er dann Hinweise auf dem Display: "Meiden Sie die Altstadt" oder "Melden Sie sich bitte an der Rezeption". Dabei ist der Dienst nicht als eine Art Newsticker gedacht, der wahllos an alle Urlauber gesandt wird. Vielmehr soll er zielgerichtet nur die Kunden warnen, die gerade in Gefahr sind.

Konzept und Logo hat der DRV entwickelt. Auch hat er die Buchungssoftware der Reisebüros verändert, sodass es nun ein Feld für die Handynummer gibt. Für die Mitteilungen selbst sind die Veranstalter verantwortlich. Bei Dertour soll der hausinterne Krisenstab auch den SMS-Dienst übernehmen. Bei Öger Tours formiert sich gerade ein "Krisenteam SMS". Bei Studiosus feilt der Sicherheitsmanager Edwin Doldi an den letzten technischen Details für den neuen Dienst. "Seit der Tsunami-Katastrophe 2004 steht das Thema im Raum. Eine SMS kann man oft auch dann losschicken, wenn ein Anruf nicht möglich ist." Zudem lässt sich eine SMS zeitgleich an Tausende Gäste senden. Der Dienst ist kostenlos, falls nicht der Handybetreiber vor Ort eine Empfangsgebühr verlangt.

Die Mühe könnte sich für die Veranstalter lohnen. In Zeiten von Katastrophen- und Terrorangst taugt der neue Dienst, Zauderer zur Buchung zu ermutigen. Wie stark das Bedürfnis gewachsen ist, Risiken am Urlaubsort auszuloten, weiß etwa das Auswärtige Amt zu berichten: Die Sicherheitshinweise auf seiner Homepage werden von Jahr zu Jahr häufiger angeklickt. Auch Reiseveranstalter bemerken, dass die Angst der Touristen vor Unwettern und Krisen gestiegen ist. So hat die Branche nun ein neues Argument, warum ein Kunde per Veranstalter reisen sollte, statt sich im Internet Billigflug und Hotel zusammenzugooglen. Dank SMS-Dienst kann sich der Pauschaltourist unbesorgt auf dem Strandlaken räkeln – während der Individualreisende selbst über Wetter und Weltgeschehen wachen muss. Auch wenn gar nichts passiert, erhöht der SMS-Dienst die gefühlte Sicherheit des Reisenden.

Wie gut sich der Service etabliert, dürfte davon abhängen, wie rigoros die Anbieter eine DRV-Regel beachten: SMS nur in Notfällen zu versenden. "Ein Gewitter ist keine Nachricht wert. Es muss schon ein Hurrikan sein", sagt Laepple. Sonst bestehe die Gefahr, dass der Kunde – der SMS-Flut überdrüssig – nicht auf "Öffnen" drückt, wenn wirklich eine Tsunami-Warnung auf dem Display steht. Auch müssen die Reiseveranstalter versichern, die Nummern nur für Werbezwecke zu nutzen, falls der Kunde es ausdrücklich erlaubt.

So stehen sich die Interessen gegenüber: Die Anbieter möchten zeigen, wie ausgereift ihr SMS-Dienst ist. Für den Kunden sind auch weiter keine Nachrichten die besten Nachrichten.