Die Rechnung, auf der diese Hoffnung beruht, geht so: Um ein Gramm Wasser um ein Grad zu erwärmen, braucht man eine Kalorie. Trinkt man etwa zwei Liter kaltes Bier, also rund 2000 Gramm, dann wird es im Körper von 7 auf 37 Grad erwärmt – macht 60.000 Kalorien. Von denen muss allenfalls der im Bier enthaltene Nährwert von vielleicht 800 Kalorien abgezogen werden. Es bleibt immer noch ein riesiger Kalorienverbrauch übrig, also nimmt man ab!

Der Fehler der Rechnung ist natürlich, dass die "Kalorien", von denen wir bei der Nährwertberechnung reden, nur ein umgangssprachlicher Ausdruck für Kilokalorien sind. Der "negative Brennwert" des kalten Wassers ist also im Vergleich um den Faktor 1000 zu hoch angesetzt. Der Körper wendet nicht 60.000, sondern nur 60 Kilokalorien auf, um das Bier zu erwärmen, das ist nur ein Bruchteil des Nährwerts. Davon kündet nicht selten die typische Körperform von Vieltrinkern (auch wenn der Brauerverband nicht müde wird zu betonen, dass der Bierbauch nicht vom Bier komme, sondern von den Speisen, die wir dazu verzehren).

Umso erstaunlicher klang da eine Pressemeldung, die vor vier Jahren erschien: Eine Studie der Berliner Charité und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung kam zu dem Ergebnis, dass kaltes Wasser tatsächlich beim Abnehmen helfen kann. Der Studienleiter, Michael Boschmann, bezifferte den negativen Brennwert von zwei Litern kaltem Wasser auf bis zu 100 Kilokalorien, also etwa das Doppelte der rein thermischen Wirkung. Der Grund dafür: Wasser aktiviert das vegetative Nervensystem, der Körper baut beschleunigt Nährstoffe ab. Zur Begleitung einer Diät kann Wassertrinken also tatsächlich hilfreich sein – der Traum von der Wunderdiät beruht aber leider auf einem Rechenfehler.Christoph Drösser

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio