DIE ZEIT: Herr Hary, nehmen Sie sich vormittags frei, um die Olympia-Übertragung zu verfolgen?

Armin Hary: Im Moment reicht es mir, wenn ich die Zusammenfassung sehe. Wenn ich den ganzen Tag alles sehen würde, würde ich mich vielleicht noch mehr ärgern.

ZEIT: Worüber ärgern Sie sich?

Hary: Im Medaillenspiegel stehen wir jetzt ganz gut da. Aber in der Leichtathletik steht uns wohl noch Schlimmes bevor. Man kann nicht optimistisch sein, wenn man die Leistungen sieht, mit denen viele zu den Olympischen Spielen reisen. Auf Goldmedaillenkurs sehe ich keinen unserer Sportler. Wir hinken bei den Kernsportarten Schwimmen und Leichtathletik insgesamt hinterher.

ZEIT: Woran liegt das?

Hary: Wir haben zu wenig Siegertypen. Gleichzeitig gibt es in Deutschland drei Millionen Kinder, die keinen Sport treiben können, weil die Eltern es sich nicht leisten können. Aber aus dieser Schicht könnten solche Siegertypen kommen. Ich weiß, wovon ich rede, ich komme auch aus einem armen Elternhaus und habe mich durchgesetzt. Deshalb versuche ich mit meiner Jugendsport-Förderagentur, speziell Kinder aus sozial schwachen Familien bei ihrer sportlichen Laufbahn zu unterstützen.

ZEIT: Wie haben Sie am Samstag den 100-Meter-Sprint erlebt, Ihre Paradedisziplin?