Neulich verblüffte uns ein Fremdenverkehrsprospekt mit der Aufzählung von, sage und schreibe, vier "Mosel-Metropolen". Der Takt verbietet, die Orte zu nennen, die von ihrem neuen Rang gewiss nichts wissen, aber es sei doch erinnert, dass eine Metropole, dem griechischen Wortsinn nach eine Mutterstadt, irgendwelche Töchterstädte braucht, um als Mutter bezeichnet zu werden. Von Traben-Trarbach ist aber, anders als seinerzeit etwa von Korinth, nicht bekannt, dass es über koloniale Ableger andernorts verfügt – es sei denn, man wollte die Moselstädte allesamt als Ableger ihrer selbst bezeichnen, weswegen sie auch allesamt als Mutterstädte bezeichnet werden könnten. Freilich gibt es den Sprachgebrauch, auch große Städte ohne Neigung zur Koloniegründung, vorzugsweise Hauptstädte, als Metropolen zu bezeichnen, aber von diesen lässt sich immerhin sagen, dass sie die anderen Städte des Landes dominieren, zumindest ein kulturelles oder politisches Matriarchat ausüben. Aber sollte Traben-Trarbach ernsthaft mit Paris oder Istanbul verglichen werden? Der Verdacht liegt nahe, dass der Prospektdichter nur nach einem Synonym für Stadt gesucht hat. Also Obacht! Synonyme sind die Mütter allen Unfugs. Jens Jessen

a www.zeit.de/audio