Kann Antisemitismus amüsieren? Natürlich nicht, hat doch diese Schreckensideologie so lange Verfemung und Vertreibung, schließlich millionenfachen Mord gezeugt. Charlie Chaplin hat im Großen Diktator Witze über Hitler gerissen, Ernst Lubitsch in Sein oder Nichtsein. Beide Filme wurden allerdings gedreht, bevor der Holocaust ins Weltbewusstsein gedrungen war.

Seitdem ist Antisemitismus überhaupt nicht witzig. Trotzdem darf über das folgende Beispiel wenigstens kurz gelacht werden. Es handelt sich um ein Gespräch mit einem Hauptmann Sayyed Shahada im ägyptischen Fernsehen, dessen weitere Verbreitung dem Middle East Media Research Institute zu verdanken ist.

Captain Shahada gehört zum "Ägyptischen Verein für Einzigartige Schnurrbärte". Vor der Kamera bekannte er: "Ich respektiere Hitlers Schnurrbart, weil er die abscheulichste Sekte auf Erden (die Juden) erniedrigt hat. Er hat das Volk bezwungen, das die ganze Welt unterworfen hat – er mit seinem Nr.-11-Schnurrbart. Diese Art von Schnurrbart heißt ›11‹. Als ich klein war, hat sich mein Vater einen solchen wachsen lassen – wie all seine Klassenkameraden. Das war zu Hitlers Zeiten."

Ein Stück Alltagskomik im Jahr 2008, mit einem Mann, der normaler nicht sein könnte. Der stolz auf seinen Schnurrbart ist und sogar einen Verein zur Förderung dieser haarigen Kunst unterstützt. Der Mann ist ein Stück Zivilgesellschaft, die wir alle so schätzen.

Leider ist die Zivilgesellschaft in Arabisch-Nahost nicht sehr zivil. Akademisch ausgedrückt: Es besteht eine negative Korrelation zwischen Regierungspolitik und gesellschaftlicher Befindlichkeit. Auf Regierungsebene herrscht seit fast dreißig Jahren Frieden zwischen Israel und Ägypten, seit 1994 auch mit Jordanien. Doch in der Zivilgesellschaft – von den Verbänden bis zu den Medien – überwiegt das Feinddenken (das Memri zusammen mit dem liberalen Reformdiskurs übersetzt). Gerade in Kairo und Amman quellen die Buchläden über von antisemitischen Traktaten; das Fernsehen zeigt regelmäßig Serien, die von den Protokollen der Weisen von Zion abgekupfert sind.

Deshalb ist der gute Hauptmann ein so interessantes Beispiel. Was könnte denn absurder sein, als beim Stoppel-Schnippeln auf diese "abscheulichste Sekte" zu kommen? Doch so denkt "es" in Shahada, was abermals den obsessiven Charakter des Antisemitismus – oder jeglichen "Anti-Ismus" – enthüllt. Eine Obsession, würde Dr. Freud dozieren, ist die zwanghafte Wiederkehr von Bildern und Gedanken, über die ihr Träger keine Kontrolle ausüben kann. Er denkt an Pomade und dann, schwups, an Hitler, Juden und Weltherrschaft. Leider sind diese Zwangsvorstellungen älter als Israel und noch älter als die Besetzung des Westjordanlandes, wie der "Elfer" von Vater Shahada zeigt.

Der klassische Antisemitismus, in Europa tabu, ist schon zu Hitlers Zeiten nach Mittelost ausgewandert – Ritualmord und Weltherrschaft inklusive. Deshalb ist der gute Hauptmann doch nicht komisch. Es wird leichter sein, Siedler aus dem Westjordanland zu vertreiben als die Obsessionen aus den Köpfen der Shahadas.