Mit Madonna auf Tour zu gehen, das ist ein Traum für jeden Popkünstler. Sie hat jede Musikerin beeinflusst. Trotzdem strebe ich keine Karriere wie ihre an. Wenn ich 50 wäre und so viel Geld hätte, dass ich mir nie wieder Sorgen um meine Zukunft machen muss – dann würde ich keine Sekunde darüber nachdenken, ob meine Musik für junge Menschen interessant ist. Ich möchte Musik für Menschen meines Alters machen. Das heißt nicht, dass jede 50-jährige Sängerin wie Dolly Parton klingen muss, aber eben auch nicht wie eine junge Hip-Hop-Künstlerin. Es gibt dazwischen genug Platz für Individualität.

Denken wir nur mal an die Erfahrung, die Madonna besitzt. Sie gehört zu den am längsten aktiven Popstars der Welt. Da muss es doch mehr geben, als sie derzeit in ihre Musik packt. Aber sie gestattet sich nicht, aus dem Korsett auszubrechen und aus dem Erlebnisschatz ihrer Laufbahn zu schöpfen. Das ist schade. Sie war so bahnbrechend. Ich träume davon, sie eines Tages wieder als musikalisches Vorbild sehen zu können – aber davon ist sie im Moment weit entfernt. Als 1986 das Album True Blue erschien, gefiel sie mir am besten. Sie klang wie ein unschuldiges Mädchen, das beginnt, rätselhaft zu werden.

Damals erlaubten wir Musikern noch, gleichzeitig Mensch und Gott zu sein. Heute müssen sich Popstars entscheiden, ob sie lieber das perfekte Wesen oder den Abschaum der Menschheit spielen wollen. Britney Spears ist ein gutes Beispiel dafür, wie jemand in den Medien von einem Extrem ins andere abrutscht. Zuerst feierten sie Britney als Superstar, jetzt verurteilen sie alles, was sie tut. Solche Berichterstattung führt dazu, dass Pop heute ein Schimpfwort ist.

Für die Zukunft hoffe ich, dass wir wieder mehr Individualität in der Musik tolerieren. So wie in den achtziger Jahren, als das Image von Popmusik noch nicht beschädigt war, als Künstler wie Kate Bush, David Bowie und Madonna tolle Vorbilder waren. Damals gab es allerdings auch noch nicht so viele Fernsehshows, die sich mit der immer gleichen Musik befassten. Das Fernsehen zeigt oft eine Glitzerwelt ohne den Kontext einer Musikszene. Exemplarisch nenne ich die Girlband Pussycat Dolls. Die Mädchen funktionieren wie ein Abziehbild von reichen und porentief reinen Menschen. Das ist Gehirnwäsche für Kids und reflektiert überhaupt nicht deren Leben. Das sollte Popmusik aber immer tun.

Zurzeit dreht sich der Wind zum Glück schon. Künstler steuern ihre Karriere besser, sie kontrollieren stärker, welche Informationen für die Öffentlichkeit bestimmt sind, für wen sie arbeiten. Für diese Form der Selbstvermarktung ist Madonna ein gutes Beispiel – und da ist sie auch für mich wieder ein Vorbild.

Aufgezeichnet von Ulf Lippitz

Robyn landet europaweit immer wieder in den Top Ten. Bei Madonnas Konzerten in Deutschland tritt die 29-jährige Sängerin im Vorprogramm auf. Mit 16 veröffentlichte die Schwedin ihr Debütalbum, vor drei Jahren kaufte sie sich aus ihrem Plattenvertrag frei und gründete ihr eigenes Label.

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