Urlaub satt!

Obwohl Spiegeleier auf Fotos ziemlich unappetitlich aussehen, wirbt Yahya Degirmenci mit diesem Motiv für seine Kochkünste. Für die Reklametafel vor seinem kleinen Restaurant hat er außerdem Reibekuchen fotografieren lassen, ein paniertes Schnitzel und ein Stück Erdbeertorte mit Sahne: Deutsche Küche, so wie er sie studiert hat vor 25, 30 Jahren, auf Wangerooge, in Uelzen und in Lübeck.

Yahya hatte an der Hotelfachschule in Ankara gelernt, dann, 1971, schickte das Tourismusministerium den damals 19-Jährigen für ein Praktikum nach Deutschland. Als Yahya 14 Jahre später zurückging in die Türkei, nahm er eine Portion deutsche Esskultur mit nach Göynük, einem Dorf westlich von Antalya, eingerahmt vom Mittelmeer und den mächtigen Gipfelzügen des Taurusgebirges, hinter denen im Spätsommer die Sonne schon nachmittags um fünf verschwindet. Deutschselig nannte Yahya sein Restaurant Forellenhof.

Der türkische Wirt mag die Deutschen, sie waren immer seine Lieblingsgäste. "Leider kommen kaum noch Deutsche hierher", sagt er, "man hört fast nur noch Russisch, auch in dem Ding da drüben." Der Gastwirt zeigt auf ein ungeschlachtes Gebäude in Schiffsgestalt mit drei rot-weiß gestreiften Tonnen auf dem Dach, die alles im Dorf überragen. Es ist 20 Uhr, die beste Zeit für einen Restaurantbesuch, doch fast alle Tische im Forellenhof sind leer. "Dabei schmeckt es bei mir viel besser als in den Hotels", sagt der Wirt und serviert dem einzigen Gast das Beste von der Speisekarte, ein Filetsteak mit geschmorten Zwiebeln, "da drüben gibt es nur noch billiges Einheitsessen."

Als Yahya 1985 nach Göynük kam, begann er als Food & Beverages Manager im damals einzigen Hotel, einem gediegenen Aldiana-Club. Er stellte junge Leute aus dem Dorf ein und zeigte ihnen, wie man einen Tisch perfekt eindeckt. Göynük war ein Dorf mit 600 Einwohnern; man lebte im gemächlichen Takt der Ernte von Orangen, Zitronen und Tomaten. Dann rückten die Betonmischer, Bagger und Baukräne an. Premierminister Turgut Özal hatte ein von der Weltbank gefördertes Programm zur Entwicklung des Massentourismus in der rückständigen Region in Gang gesetzt. Staatlicher Grund und Boden konnte nun zu günstigen Bedingungen für 49 Jahre an private Investoren verpachtet werden. Arbeiter sprengten den Weg frei durch die Klippen des Taurusgebirges. Für die neue Zeit. Für den Fortschritt.

Die Bausünden der Spanier aus den siebziger Jahren vor Augen, verkündeten seitdem sämtliche Tourismusminister, man werde die malerische Küste nicht mit geschichts- und gesichtslosen Herbergsbunkern verschandeln – um dann doch dem gleichen grenzenlosen Machbarkeits-Optimismus zu verfallen. Niedrige Baukosten und die Verheißung schnellen Profits ließen Hotelanlagen entstehen, teils 10, 15 Stockwerke hoch, die meisten in ausgesprochen schlichter Architektur. Gebaut wurde in drei Schichten, rund um die Uhr. Im Herbst begann der Aushub, im Mai musste alles fertig sein. Man wollte keine Saison verpassen.

Alle zweieinhalb Minuten landet im Sommer ein Jet mit Urlaubern

Zwei Jahrzehnte nach dem Start des touristischen Angriffsprogramms drängen sich auf den Küstenstreifen westlich und östlich von Antalya 605 Hotels mit mehr als 200.000 Betten, 80 Prozent davon gebaut in den letzten sechs Jahren. Bislang hat niemand untersucht, wie viele Hotels, wie viele Betten die Region überhaupt noch verkraften kann, ohne dauerhaft Schaden zu nehmen. Der Tourismus gilt als Segen. "Unsere Zeitungen schreiben, dass die Urlauber auf Antalya herabkommen wie der Regen vom Himmel", sagt Forellenhof-Wirt Degirmenci. Alle zweieinhalb Minuten landet im Sommer ein Jet mit Urlaubern in der "Badewanne der Türkei", wie einheimische Reiseleiter die Region nennen.

Die meisten Hotels wären wohl nie gebaut worden, hätte nicht irgendwann ein Zauberwort alle hier in seinen Bann geschlagen: all-inclusive. Ein Wortgeschöpf der Tourismusindustrie für die 24-Stunden-Versorgung mit Mahlzeiten, Getränken, Sport, Wellness, Kinderbetreuung, Bumsmusik und abendlicher Folklore – alles im Reisepreis enthalten. Als Erster hatte in den sechziger Jahren der französische Club Med für Urlaub in Zelt- und Hüttendörfern tout compris geworben – alles inklusive. Zwei Jahrzehnte später verschaffte die Tourismusindustrie, allen voran der Hotelkonzern Allegro Resorts, dem Rundum-Sorglos-Urlaubspaket in der Karibik den endgültigen Durchbruch. Vor allem in der Dominikanischen Republik setzten die Hotelplaner voll auf All-inclusive – und machten die Insel erst dadurch zum Ziel für den Massentourismus.

Ein türkischer Hotelier sah sich das neue System an Ort und Stelle an und kopierte es. Neidvoll sahen seine Konkurrenten, dass die Urlauber lieber im All-inclusive-Club abstiegen als in ihren Halbpensions-Herbergen. Anfangs ging die Rechnung auch auf. "Bei All-inclusive gaben wir pro Kopf zwar vier bis fünf Euro mehr aus", erklärt Vural Öger, Seniorchef des größten europäischen Anbieters von Türkei-Reisen, "aber gleichzeitig nahmen wir zehn bis fünfzehn Euro mehr ein." Umsatz, den die Hotels vor allem von der umliegenden Gastronomie abschöpften. Früher hatten die Gäste sich dort mit Bier, Cocktails oder Kebab versorgt. All dies bekamen sie nun im Hotel, vermeintlich kostenlos. In Wirklichkeit wurde der zusätzliche Verzehr bequem in den All-inclusive-Preis einkalkuliert.

Neue Hotels setzten nun fast durchweg von Anfang an auf die Paketlösung, die anderen stellten binnen kurzer Zeit um. "Dafür haben auch die großen Reiseveranstalter gesorgt", meint Mesut Güvenç, Öger-Statthalter in Antalya. "Ein Urlaub ohne All-inclusive lässt sich heute kaum noch verkaufen." Wer nicht umstellen wollte oder konnte, wurde aus dem Katalog gestrichen.

Hoteliers werden zu Anstaltsleitern und Kellner zu Müllmännern degradiert

Vor allem Familien mit knappem Budget schätzen die Vorteile des Systems, weil es sie vor schwer zu kalkulierenden Zusatzausgaben schützt, etwa für Drinks am Pool. Die Kunden wissen von vornherein, wie viel der Urlaub kosten wird, und müssen sich nicht disziplinieren.

In Göynük wurde Yahya Degirmenci Zeuge, wie das Motto all-inclusive vom Dorf Besitz ergriff. "Zu meiner Zeit im Aldiana hab ich mir jeden Tag etwas einfallen lassen, um dem Gast etwas zu verkaufen", erzählt er, "nachmittags Eiskaffee, Waffeln und Cocktails am Pool, abends eine gute Flasche Wein zum Essen. Den Gast glücklich zu machen und dabei Geld zu verdienen, darauf kam es an." Heute, wo vorgekochte Speisen in Aluwannen angeliefert werden, "brauchst du als Hotelier nur noch Leute, die Nachschub ranschaffen und die Essensreste beseitigen". All-inclusive degradiert Hoteliers zu Anstaltsleitern und Kellner zu Müllmännern in weißen Hemden. Manche Urlauber, erzählt Yahya, "sagen, wunderbar, ohne Geld in der Tasche den ganzen Tag saufen".

Mittlerweile gibt es in Göynük 19 Hotelanlagen mit rund 12.000 Betten. Alle bieten ausschließlich All-inclusive-Urlaub an, auch das ehemalige Aldiana, das heute zur Öger-Gruppe gehört. Vor jedem Hotel passen Wachleute auf, dass sich niemand unbefugt am Buffet bedient.

 

Eigentlich müsste jeder Investor wissen, was passiert, wenn in der Region weiter Jahr für Jahr Zehntausende neuer Hotelbetten aufgestellt werden. Es werden Überkapazitäten geschaffen, die nur noch zu Ramschpreisen abzusetzen sind. Immer schneller dreht sich die Preisspirale nach unten, vor allem in der Nebensaison unterbieten sich die Hoteliers mit ruinösen Angeboten. Im Frühjahr und im Herbst kostet eine Woche all-inclusive im Fünf-Sterne-Hotel 399 Euro, mit Glück auch nur 299 oder 199 Euro, inklusive Flug. Mitbewerber können sich diesem Sog kaum entziehen. Welcher Gast ist schon bereit, 799 Euro für eine Woche im Vier-Sterne-Hotel zu bezahlen, wenn sie der Fünf-Sterne-Nachbar für 599 Euro anbietet?

Mittlerweile regt sich in an der Küste Kritik an der ungezügelten Bauwut, die die Türkei zu einem Billigziel für solche Touristen gemacht hat, denen es egal ist, wie das Land heißt, an dessen Strand sie sich legen. Die Erkenntnis macht sich breit, dass All-inclusive die Infrastruktur der Dörfer zerstört, weil die Gäste ihre Hotels mit Rundumversorgung kaum noch verlassen.

Und überhaupt – was heißt das eigentlich: eine Woche Urlaub für 299 Euro? Wie gelingt es einem Hotel, einen derartigen Preis anzubieten? Welchen Tischwein, welchen Lammbraten, wie viel Freundlichkeit kann ein 299-Euro-all-inclusive-Tourist erwarten? Das Szenario "Badewanne mit angeschlossener Kantine" vor Augen, setzte Finanzminister Kemal Unakitan kürzlich zum Befreiungsschlag an. "Unsere Touristiker sollten das Konzept All-inclusive endlich aufgeben", forderte er. "Es ist an der Zeit, dass sie endlich Selbstvertrauen finden."

Der Bauherr von Hotel Nummer 19 in Göynük versteht unter Selbstvertrauen etwas ganz anderes. Er setzt auf die Wucht der architektonischen Provokation. Süleyman Güngör hat seine Queen Elizabeth brutal in das Dorf hineingerammt. Die im Mai vorigen Jahres erstmals frisch bezogenen gut 1200 Betten umgab er mit der Fassade eines Ozeandampfers aus verspiegeltem Glas und Aluminium. Die rot-weiß gestreiften Kübel auf dem Dach, man erkennt es dann doch, sollen die Schornsteine des Schiffes darstellen. Weil am Meer kein Platz mehr war, musste Güngör in die zweite Reihe ausweichen. Seine Gäste schauen nun von ihren Balkonen nicht aufs Meer, sondern auf die Hotels zur Linken und zur Rechten.

Süleyman Güngör ist ein umtriebiger Unternehmer. Er besitzt große, auch im Ausland tätige Baufirmen, ihm gehören Juweliergeschäfte, Leder- und Textilläden. Er trägt eine golden glänzende Rolex, wie sie in Dutzenden Läden hier angeboten wird, aber seine ist echt. "Mit diesem Hotel habe ich mir meinen größten Traum erfüllt", sagt er, breitet die Arme aus in der riesigen Lobby, zu deren Seiten die Kajütendecks emporragen. "Vor 20 Jahren habe ich angefangen, es zu planen. Ich liebe dieses Geschäft." Von dem er allerdings nichts verstehe, behaupten manche. "So ein Riesending für 50 Millionen Dollar in die zweite Reihe zu setzen", spottet ein alteingesessener Hotelbesitzer, "das kann nur ein Verrückter machen."

Die Queen Elizabeth folgt dem jüngsten Trend in der All-inclusive-Hotellerie. Fünf – selbst vergebene – Sterne sowie hemmungsloses Essen und Trinken rund um die Uhr sind vor allem der neuen, russischen Klientel nicht mehr genug: Pompbauten im Las-Vegas-Stil sollen es jetzt sein. In Lara, knapp eine Autostunde Richtung Osten, wurde deshalb der Kreml nachgebaut, mit Zwiebeltürmen und einem Gorbatschow-Double als Gute-Laune-Heiopei in der Lobby. Güngörs Hotelschiff dampft alle zwei Wochen einem neuen virtuellen Ziel irgendwo auf der Welt entgegen; man merkt es dann am Essen und am Showprogramm. "Warum sollen die Taurus-Gipfel nicht neuseeländisches Gebirge darstellen?", fragt Güngör. Landgänge sind nicht vorgesehen.

In die Billig-Falle will der Neuhotelier auf keinen Fall laufen. "Obwohl wir in der zweiten Reihe liegen, verlangen wir pro Woche bis zu 500 Euro mehr als alle Fünf-Sterne-Hotels direkt am Strand." Güngör setzt vor allem auf russische Gäste und deren Bereitschaft, höhere Preise zu zahlen als etwa die Deutschen. Dafür können sie sich in den À-la-carte-Restaurants – für nur fünf Euro Aufpreis – Lammkarree in einer Kruste aus provenzalischen Kräutern oder Haikoteletts in Champagnersauce kredenzen lassen. Das muss bei den hohen Preisen drin sein.

Ausgesorgt haben jene Bauern, die Land an einen Hotelinvestor verkauften

Natürlich haben die Emissäre der Touristikkonzerne zu ihm gesagt: "Ihr seid zu teuer, das bucht keiner. Hier, seht mal die Preise der anderen, jetzt geht mal runter." Aber die Queen Elizabeth war schon im Juni zu 90 Prozent ausgebucht, Hotelmanager Izzetin Yurtsever beharrt auf seiner Hochpreis-Strategie. "Wenn du dich in der Qualität von der Konkurrenz abhebst, funktioniert das", verteidigt er sein Konzept, "mit Billigpreisen manövrierst du dich nur ins Aus."

Den ganzen Hochsommer über war das Hotel ausgebucht, noch reizte das Neue. Aber jetzt bleiben tagsüber schon viele Liegestühle an der Poollandschaft frei. Die Russen kommen nur, wenn es brütend heiß ist. Manche Hoteliers schließen bereits Wetten darauf ab, dass Güngör Ende Oktober zumacht. Für deutsche Dauerurlauber ist die Queen Elizabeth ohnehin viel zu teuer. Die gehen lieber ins benachbarte Majesty Mirage Park, wo auch fünf Sterne leuchten und vier Winterwochen all-inclusive nur 800 Euro kosten. Ein Preis, mit dem man kein Geld verdienen könne, wie das Management einräumt.

Warum ein Hotel wie die Queen Elizabeth gebaut wurde, kann niemand in Göynük schlüssig erklären. Welche ökonomische Rationalität nährt das Baufieber, wenn doch offenbar kein Geld mehr zu verdienen ist?

"Das funktioniert ganz einfach", sagt Vural Öger, man dürfe nicht alles ökonomisch erklären. "Ihr Deutschen seid immer so rational. So sind wir Türken nicht." Es gehe um Status, um Insignien ökonomischer Potenz. "Ibrahim sieht, dass Ahmet und Mehmet und Mustafa ein Hotel gebaut haben, viel Geld verdienen und einen dicken Mercedes fahren. Also sagt sich Ibrahim: Das mach ich auch."

Hotelmanager Izzetin Yurtsever, selbst seit mehr als 30 Jahren im Geschäft, sieht eine Menge Dilettanten am Werk: "Nicht jeder, der in der Türkei ein Hotel baut, versteht etwas von dem Geschäft." Banker, Medienmogule, Textil- und Fleischfabrikanten haben ihr Geld in Hotels gesteckt, weil das Geschäft scheinbar von alleine lief. Doch sieht der Bauherr von Hotel Nummer 19 nicht, dass die anderen 18 kaum etwas verdienen, etliche sogar Verluste machen? Hotels glänzen golden, heißt es in Göynük, auch wenn es nur billige goldfarbene Tünche ist, unter der schon das Blech wegrostet.

 

Natürlich gibt es auch einige – durchaus handfeste – wirtschaftliche Motive. Steuervermeidung heißt eines. "Ein türkischer Bauunternehmer baut eine Autobahn in Pakistan oder eine Flughafen-Startbahn in Ägypten, sagen wir mal für 300 Millionen Euro", erläutert Vural Öger. "Die müsste er eigentlich versteuern, aber wenn er hier ein Hotel für 30 Millionen baut, kann er das absetzen." Er zahlt weniger Steuern und hat nach einem halben Jahr Bauzeit ein Hotel, das er verkaufen kann. "Selbst wenn das Hotel vom ersten Tag an Verlust macht", sagt Öger, "rechnet sich für den Bauherrn die Investition."

Für immer ausgesorgt haben jene Bauern, die Land an einen Hotelinvestor verkaufen konnten. Aus ihren salzigen, vermeintlich wert- und nutzlosen Wiesen in Küstennähe wurde kostbares Bauland. Und mit jedem neuen Hotel steigt auch das Ansehen des Bürgermeisters. Deshalb wundert es nicht, dass der Dorfobere von Göynük, früher ein kleiner Lehrer, die Entwicklung seiner Gemeinde in glänzende Farben taucht. Binnen 20 Jahren von 600 auf 6000 Einwohner! 19 Hotelanlagen! Und dann der neue Einkaufsboulevard mit den hübschen Läden dort, wo früher Holz- und Wellblechbuden standen. Der Bürgermeister ist heute ein gefragter Mann. Mit einem großen Büro im neuen Rathaus, mit Sekretärin und einem Telefon, das ständig klingelt.

Süleyman Egel, Gründer des nahen Alternativ-Ferienresorts Sundance Camp erklärt das Prinzip: "›Wie viele Betten soll dein Hotel denn haben?‹, fragt der Bürgermeister, wenn du eine Genehmigung haben willst. Wenn du sagst, 500 Betten, wird er entgegnen: ›Nein, 1000 Betten sind besser.‹ Kleines Hotel, kleiner Gewinn, großes Hotel, großer Gewinn. So dachten alle." Jetzt, in Zeiten von Überkapazitäten, lautet die Gleichung: Kleines Hotel, kleiner Verlust, großes Hotel, großer Verlust. Dennoch sind die nächsten 300 Hotels an der türkischen Mittelmeerküste bereits genehmigt.

Izzetin Yurtsever trifft sich regelmäßig mit seinen Managerkollegen aus Göynük. Er weiß, wie es um jedes Hotel steht. "Die Durchschnittsrate im Sommer ist für fünf Sterne mittlerweile auf 40 bis 45 Euro gesunken. Ein All-inclusive-Gast kostet aber pro Tag im Schnitt 50 Euro. Außerdem müssen viele Hotels Kredite zurückbezahlen. Und jedes Jahr werden sie von den Reiseveranstaltern gezwungen, für noch weniger Geld noch mehr zu geben – obwohl alles teurer wird." Für Zitronen müssen die Einkäufer der Hotels 68 Prozent mehr bezahlen als zu Jahresanfang, Reis ist um 58 Prozent teurer geworden, Brot um 26 Prozent, bei Fisch und Strom sind es 20 Prozent.

Und wenn alle Hoteliers sich gemeinsam gegen das Preisdiktat der Veranstalter stemmten? "Illusorisch", meint Tanju Özalpay, Manager des Majesty Kemer Beach in Göynük, ehedem Aldiana. "Unter türkischen Hoteliers gibt es keine Solidarität. Jeder kämpft für sich. Der Veranstalter wird immer einen finden, der noch ein paar Euro runtergeht."

Am neuen Einkaufsboulevard reiht sich ein Laden an den anderen. In den Schaufenstern der etwa 100 Geschäfte sieht man immer das Gleiche: Schmuck, Leder oder Markenplagiate, irgendwo in der Türkei zusammengenäht, T-Shirts, Socken, Badeschlappen. "95 % Baumwolle, 5 % Cotton", verrät das wundersame Etikett an einem Paar adidas-Socken-Imitaten. Vor jedem Laden sitzen zwei, drei junge Männer auf Plastikschemeln, trinken Tee, reden, rauchen, spielen Backgammon und schauen den Reisebussen hinterher, mit denen die Gäste vom Flughafen zu den Hotels gefahren werden. Sie wissen, dass sie kaum einen der Urlauber in ihren Läden wiedersehen werden.

Fast alle All-inclusive-Hotels haben mittlerweile eigene Shops auf ihrem Gelände, mit dem gleichen Angebot wie draußen auf der Straße. Das wenige, was die Gäste ausgeben, soll im Kreislauf des Hotels bleiben. Die Queen Elizabeth perfektioniert dieses System: Süleyman Güngör hat die Läden nicht in den Bauch seines Hotelschiffs gesteckt, sondern in die Außenhaut, zur Straße hin. So kann er die Pacht kassieren, bei 20 Läden geschätzt 400000 Euro pro Jahr, und gleichzeitig noch die Gäste der anderen Hotels abgreifen.

Gute Gäste sind Abstinenzler – oder schnell betrunken

Aber warum sitzen all diese jungen Männer auf Plastikschemeln und warten auf Kundschaft, die nicht kommt? Warum hält jemand es für eine gute Idee, den dreißigsten Laden mit Socken, Badetüchern oder Wasserpfeifen aufzumachen? "Zu Hause in ihren Dörfern ging es so: Dieses Jahr Tomaten, nächstes Jahr Gurken, das war’s", versucht Süleyman Egel vom alternativen Sundance Camp eine Erklärung. "Und genauso machen sie jetzt Läden auf. Gurken und Tomaten, T-Shirts und Socken, es ist eigentlich das Gleiche."

Die Ladenpächter erliegen dem gleichen Blendwerk wie die Hotel-Investoren: 19 große Hotels, im Sommer alle voll, das sind mehr als 10.000 Gäste in einem kleinen Dorf. Irgendein Stück vom Kuchen werden sie schon abbekommen. Auch nächstes Jahr werden wieder junge Männer auf Plastikschemeln vor ihren Läden hocken. Aber in vielen Fällen werden es neue Gesichter sein. Manche sind über Nacht verschwunden, wenn sie die Pacht nicht bezahlen können.

Der Gast aus Russland, Typ Moskau-Inkasso, ist sehr wütend. Der Alkoholvorrat in seiner Minibar lässt schwer zu wünschen übrig. Nur eine kleine Flasche Bier steht drin. Und kein Schnaps. Aufgeregt debattiert er auf dem Flur mit dem Zimmermädchen, das mit einem Wägelchen den Nachschub für die Minibars verteilt. Das Mädchen erwidert etwas auf Türkisch, der Mann aus Russland sagt immer nur "Da, da". Schließlich ist er es leid, greift sich eine Zwölfer-Batterie mit Bierflaschen vom Wägelchen, verschwindet in seinem Zimmer und knallt die Tür zu.

Die spartanische Bestückung der Minibar ist kein Versehen. In ihrer Not versuchen viele Hotels, das schrankenlose All-inclusive unmerklich aufzuweichen, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Wenigstens auf den Zimmern soll nicht gezecht werden. Alkohol ist sehr teuer geworden. Gute Gäste sind Abstinenzler – oder schnell betrunken.

Das System hat sich sein eigenes Problem geschaffen: All-inclusive hält die Urlauber im Hotel, dort essen und trinken sie fast unentwegt. Seit es alles umsonst gibt, sind sie hungriger und durstiger geworden. Die Verpflegungskosten pro Tag und Gast sind im Laufe der Jahre stetig gestiegen. Im Majesty Kemer Beach beispielsweise trinkt der Durchschnittsgast heute fast dreimal so viel Schnaps wie zu Halbpensions-Zeiten.

 

Wein kommt in Alutanks – ein Cuvée aus Resten rund ums Mittelmeer

Systematisch durchforsten die Manager ihre All-inclusive-Pakete nun nach Sparpotenzialen. Smirnoff und Moskovskaya werden aus dem Barregal genommen, stattdessen gibt es Wodka der Billigmarke Borzoi. Das ohnehin dünne Bier wird abends in der Stranddisco noch mal mit Wasser gestreckt. Orangensaft entpuppt sich als zuckrig-klebrige Brühe, für die niemals auch nur eine Orange gepflückt wurde. Selbstverständlich dürfe das Sparen nicht auf Kosten der Gäste gehen, beteuern alle Manager. Keine Frage, natürlich freut sich der Gast bei 40 Grad im Schatten über ein deftiges Kohlgericht.

"Ich versuche ja immer, gute Zutaten einzukaufen, aber der Manager streicht mir das zusammen", erzählt ein Küchenchef aus Göynük. "Zehn Euro pro Gast und Tag, damit muss ich auskommen. Also schaue ich, ob es nicht billiger geht." Er zeigt auf eine Plastikbox voller silbrig-glänzender Fische mit trüben Augen. "Hier, das sind Sardinen. Kein schlechter Fisch, aber will man den fast jeden Tag essen?" Er würde gern mal etwas anderes anbieten, Goldbrasse zum Beispiel, "aber die kostet im Einkauf schon sieben Euro das Kilo. Sardinen krieg ich für 2,80 Euro, also gibt es Sardinen. Gegrillt, gedünstet, gekocht, gebraten. Was übrig bleibt, schnipple ich morgen in den Salat." Und woher kommt der Wein aus dem kleinen Fass am Ende des Buffets? "Keine Ahnung, wir kriegen ihn in Alutanks. Der schmeckt ganz furchtbar." Vermutlich ein Cuvée aus Überproduktionsresten sämtlicher Mittelmeer-Anrainerstaaten. Die Gäste lassen ihn klaglos in sich hineinlaufen. Er ist ja kostenlos.

Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung aus dem bayerischen Ammerland hat die Erfahrung täglichen Sardinengenusses in wohl gewählte Worte gepackt. "Preisverfall stellt eine kontinuierliche Bedrohung dar", heißt es in der Studie Tourismus in Entwicklungsländern. "›Immer billiger‹ führt letztlich zu einer Abnahme der Qualität von Unterkunft, Verpflegung, Service und Gastfreundlichkeit, zu einer Verschlechterung des Images der Destination und letztlich zu einem abnehmenden Interesse, sie zu bereisen."

Im Billigsegment haben die Touristikkonzerne übergenug Manövriermasse: In Europa umwerben insbesondere Bulgarien und Rumänien All-inclusive-Urlauber mit knappem Budget. Die Tunesier haben in den vergangenen Jahren Platz für 30.000 zusätzliche Betten geschaffen, Ägypten baut derzeit große Teile der Küste am Roten Meer mit All-inclusive-Anlagen zu – und bietet ganzjährig Temperaturen von über 30 Grad.

In ihrer Not haben die türkischen Hoteliers auf Gäste aus den ehemaligen GUS-Staaten gesetzt. "Das Gebiet Kemer ist von den Russen geradezu besetzt worden", schreibt die Tageszeitung Milliyet . Das nur wenige Kilometer von Kemer entfernte Göynük gehört eindeutig dazu. Den wenigen deutschen Gäste bleibt nur die Unterordnung. "Jetzt steh ich hier schon 20 Minuten und hab noch immer nichts auf dem Teller", nörgelt ein deutscher Urlauber, dem Tonfall nach Sachse, der in Badeschlappen, Badehose und verschwitztem Muscleshirt am Grill des Majesty Mirage Park auf seine abendliche Portion Fleisch wartet. Eine lange Schlange hat sich gebildet, weil die Leute hinterm Grill gar nicht so viel Fleisch heranschaffen können, wie es sich die russischen Gäste auf ihre Teller laden lassen. Sie ordern durchweg sechs, sieben, bisweilen auch zehn Köfte auf einen Schlag, von denen sie selten mehr als zwei oder drei essen. Wer behauptet, dass All-inclusive nicht der Verschwendung Vorschub leistet, war noch nie in einem Hotel mit russischer Gäste-Majorität.

Da die Russen nur im Juli und August kommen, ist die Saison für die Hotels deutlich kürzer geworden. Außerdem konsumieren russische Gäste erheblich mehr als Deutsche oder Österreicher; regelmäßig sprengen sie die knapp bemessenen Budgets. "Manche geben nicht eher Ruhe, bis das Glas randvoll mit Wodka, Whisky oder Gin ist", sagt ein Barkeeper im Majesty Mirage Park, "und ein Cocktail ist nur gut, wenn er penetrant nach Alkohol schmeckt."

Es ist ja auch eine Illusion, dass all-inclusive "alles kostenlos" bedeutet. Nichts ist kostenlos, der Gast bezahlt – in Form von schalem Bier, talgig schmeckendem Fleisch und dünnem Kaffee. Außerdem bezahlt jeder Urlauber auch für das, was er nicht isst und trinkt. Die Genügsamen subventionieren die Vielfraße und Schluckspechte. Wenn All-inclusive überhaupt funktioniert, dann nur so.

Man darf die Frage stellen, was das für ein Urlaub ist, bei dem der Reisende mit dem bereisten Land so gut wie nichts zu tun hat. All-inclusive, so der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung, "hält die Urlauber fern von der Realität des Landes, von Interaktion mit lokaler Bevölkerung, verhindert interkulturelle Erfahrungen". Hotelzimmer, Essen, Strand und Meer – alles gleichförmig und erwartbar. Es gibt keine Eventualitäten, keine überraschenden Momente. Nach einer Erhebung des Studienkreises wollen 84 Prozent der deutschen Türkei-Urlauber primär "Spaß, Freude, Vergnügen" haben. Der Typus des "nicht ansprechbaren Erholungsurlaubers ohne Interesse am Kennenlernen von Land und Leuten" sei überproportional häufig vertreten. "Ich verkaufe eine Reise, ich verkaufe eine Ware. Damit hat es sich", sagt Yusuf Örnek, Chef der türkischen Reiseagentur Vasco. Damit hat es sich, leider auch für Örnek. Die Firma des bis dato erfolgreichen, in bestem Ruf stehenden Reiseunternehmers musste Ende Juni Insolvenz anmelden. Es heißt, er sei dem Preiskrieg zum Opfer gefallen.

Hai Ibrahim ist geschäftstüchtig und verschlagen, der reichste Mann des Dorfes, dem Boote und Bauernhöfe gehören und der alle für sich arbeiten lässt. In dem Spielfilm Die Sonne der Hyänen , 1977 in Tunesien gedreht, ein Klassiker der Tourismus-Kritik, ist er der Agent der Usurpatoren. Der Film zeichnet den Weg eines Fischerdorfes nach, in das der Tourismus Einzug hält. Hai Ibrahim fädelt das Geschäft mit den deutschen Investoren ein. Das Hotel, das sie an den Strand bauen, verändert das Leben im Dorf völlig. Aus dem Wochenmarkt werden Souvenirläden, die Hai Ibrahim gehören, aus Fischern Bauarbeitern, aus Bauarbeitern nach der Fertigstellung des Hotels Arbeitslose. Den Fisch für die Gäste kauft das Hotel in der entlegenen Stadt, nicht von den verbliebenen Fischern des Dorfes, nachdem die mit Boykott gedroht haben. Der Dorfschmied, der sich lange widersetzt, resigniert schließlich, betreibt einen von Hai Ibrahims Andenkenläden und sagt: "Ein Fischerdorf, dessen Bewohner Sardinen aus der Dose essen, ist verloren."

Der Dorfschmied betreibt heute einen Andenkenladen

Auch über dem türkischen Göynük scheint, mehr als 30 Jahre später, die Sonne der Hyänen. Auch hier wird den Dörflern ihr öffentlicher Strand genommen. Früher brachten sie Teppiche, Sonnenschirme, Grill, Teekocher und Aufblas-Badetiere mit. Jetzt bleibt ihnen nur noch ein winziger Strandabschnitt, alles andere ist für die Gäste reserviert. Die Wachmänner achten darauf auf, dass niemand die Exklusivität des All-inclusive stört.

Hinter den eingezäunten Hotelanlagen wurden beschauliche Dörfer zu Abstellkammern der Tourismusindustrie, die dort ihr Personal rekrutiert. Bauernsöhne und Bauerntöchter verlassen die elterlichen Höfe und verdingen sich in den Hotels, meist zu Niedrigstlöhnen und ohne Sozialversicherung, als Kellner oder Kofferträger, Gärtner oder Zimmermädchen.

In wenigen Wochen, wenn die Saison vorbei ist, werden die Heloten der All-inclusive-Gesellschaft nach Hause geschickt, bis zur nächsten Saison. Aber sie erleben – zu fragwürdigen sozialen Bedingungen – auch ein Stück Befreiung aus erstarrten Strukturen. "Ein Großteil der Servicekräfte in den Hotels kommt aus einfachen Bauernfamilien", sagt Türkei-Tourismuspionier Vural Öger, "Kellnerklamotten oder eine Kofferträgeruniform bedeuten für sie ein Stück sozialer Aufstieg." Und die jungen Männer vor den Läden? Haben sie es in ihren Dörfern im anatolischen Hochland besser? Was passiert da schon? Hier passiert eine Menge. Hier sehen sie wenigstens hübsche Frauen.

 

Spät abends in der Lobby des Hotels Majesty Mirage Park in Göynük. Eine Gruppe türkischer Reiseleiter, die für Öger arbeitet, sitzt beim Feierabendbier und diskutiert. Der Studienkreis bildet sie in einem Seminar zu "interkulturellen Lehrern" aus. Die Reiseleiter sollen den Urlaubern einen erweiterten Blick auf die Türkei ermöglichen, jenseits von Strand und Hotelbar. Am Nachmittag hat die Gruppe sich Die Sonne der Hyänen angesehen. Danach herrschte Schweigen. "Wir sind doch alle ein bisschen wie Hai Ibrahim", sagte einer. "Wir sind Werkzeuge dieses Systems. Ich hab mich geschämt." Einige seiner Kollegen nickten betreten.

Stück für Stück zeigt das Seminar ihnen die Spirale des Billigtourismus. Aber was heißt das für sie als Reiseleiter? "Ich lerne die Spielregeln und spiele mit", sagt einer, "die Dummen, die gehören auch zum Spiel, aber nicht als Spieler, sondern nur als Spielfiguren. Ich will nicht bei den Dummen sein. Ich will Spieler sein, nicht Spielfigur." Als Reiseleiter müssen sie sich dem System anpassen. Das geht bis zur Selbstverleugnung. "Manche von uns erklären den Gästen, dass es viel zu gefährlich ist, ins Dorf zu gehen, dass sie besser nur die durch uns gebuchten Tagesausflüge nehmen", erzählt einer, "dann haben die Leute Angst, und wir können ihnen unsere Fahrten zum Teppichhändler verkaufen."

Für jede verkaufte Tasche, jeden Ring erhält der Reiseleiter eine Provision

Verkaufsfahrten sind bei den Managern der All-inclusive-Hotels sehr beliebt. Ein Gast, der im Bus sitzt, verursacht in der Zeit keine Kosten. Im Gegenteil – die Hotels kassieren oft noch die Provisionen der Händler. Die Reiseleiter wissen, dass die Waren im "Lederland" und "Teppichdorf" überteuert sind. Aber für jeden verkauften Teppich, jede Tasche, jeden Ring erhalten auch sie eine Provision.

Einer, Mesut mit Namen, berichtet von Verträgen zwischen Reiseveranstaltern und Händlern, die vorsehen, dass 1500 Kunden pro Saison herangeschafft werden müssen. So wird der Reisepreis subventioniert. "Ich führe den Gast zum Teppichhändler und bekomme 30 Prozent vom Verkaufspreis", sagt ein anderer am Abend nach dem dritten Bier. Sich zu verweigern hieße den eigenen Job zu gefährden. "Auf dem Wochenmarkt wird der Gast ausgenommen, und ich als Reiseleiter steh daneben und darf nichts sagen."

In diesem Moment landet eine Ladung Wodka direkt vor den Füßen des Reiseleiters. Ein junger Gast, schon reichlich abgefüllt, der den Barkeeper auf Russisch so lange zum Nachschenken aufgefordert hat, bis sein Colaglas randvoll mit Wodka war, hat es nicht ganz bis auf die Terrasse geschafft.

Bis in die Nacht debattiert die Reiseleiter-Runde. Sie müssen mit Gästen klarkommen, deren Art, Urlaub zu machen, sie eigentlich verachten. "Man könnte den Gast ja darauf hinweisen, was das bedeutet – so ein 299-Euro-Urlaub all-inclusive", sagt Riduan irgendwann. "Damit sorgt er dafür, dass Servicekräfte ohne Sozialversicherung arbeiten. Solche Preise basieren auf Ausbeutung." Ja, pflichten andere aus der Runde ihm bei, bei solchen Preisen dürften sie sich nicht beschweren, dass sie zum Kauf von Teppichen gedrängt würden, die sie daheim bei Karstadt billiger bekämen. Sie tragen mit dazu bei, dass das Land zu einem der austauschbaren Billigziele wird, die sie dann irgendwann selbst nicht mehr besuchen wollen. "Das müsste man ihnen doch endlich mal begreiflich machen."

Aber wie stellt man das an, ohne dem Gast die Freude an seinem Urlaub zu verderben? Ohne ihm zu sagen, dass er für sein kleines Geld keinen Elsass-Riesling zum Essen erwarten kann, sondern nur Schnellvergorenes aus dem Tank?

"Die All-inclusive-Reisenden sind einfach die falschen Gäste", meint einer. "Andere haben wir nicht", kommt es barsch zurück. "Und solange das so ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als die Gäste weiterhin zum Goldschmied oder zum Teppichhändler zu lotsen."

Hundert Meter weiter, in zweiter Reihe, fernab vom Strand, wurde kürzlich eine neue Baugrube ausgehoben. Schon ragt ein Betonskelett in den Himmel über Göynük. Schlapp und traurig baumelt die türkische Fahne von einer rostigen Eisenstange auf dem Dach des Rohbaus. Vor dem Zaun hat der Bauherr eine große Tafel mit einer bunten Computersimulation aufgestellt. Ein weiß glänzendes Bauwerk ist dort zu sehen, das Eldar Resort, mit Sportwagen davor und Möwen, die sich im Sommerwind treiben lassen. In Göynük gibt es zwar keine Möwen. Aber dafür bald Hotel Nummer 20.