Friedrich fragt Marie: Wie viele Männer hattest du in deinem Leben eigentlich schon? Marie, Ende dreißig, überlegt kurz, dann antwortet sie: 17. Ganz schön viele, denkt er sich. Dann fragt er, halb im Spaß, halb im Ernst, noch mal nach: Sag mal, wenn es eine Rangliste deiner Sexpartner gäbe, welchen Platz würde ich darauf einnehmen? Marie denkt nach und sagt: Platz zwei. Zuerst denkt Friedrich: Na ja, Zweiter von 17 ist ja ein ganz gutes Ergebnis. Doch dann denkt er auch: Nur Zweiter? Wer war denn da besser? Er fragt Marie, wer ihre Nummer eins im Bett war. Aber Marie verweigert jede Auskunft. Nun muss Friedrich ziemlich oft an den Mann denken, der Marie im Bett mehr Erfüllung brachte als er.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Ist das eine Liebesbeziehung oder eine Sportveranstaltung? Die beiden müssen sehr leistungsorientiert sein, sonst würde er kaum nach der Zahl von Sexualpartnern fragen – und sie könnte nicht so präzise antworten. Erotik ist kein Wettkampf, bei dem man eine gute Platzierung erschlafen muss. Wenn der Mann davon ausgeht, dass im Bett Noten vergeben werden, spricht das für seine eigene Verunsicherung. Sonst würde er keine Information ertrotzen, die ihn rein gar nichts angeht. Dass seine Partnerin ihm den Gefallen nicht tut, ihm die Goldmedaille als Supersexprotz zu verleihen, kann ich verstehen. Wenn er Silber nicht mit Humor trägt, muss er sich mit dem olympischen Mythos trösten: Die Teilnahme ist das Ziel, nicht der Sieg.

Wolfgang Schmidbauer, 67, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten, von ihm erschien u.a. "Das Mobbing in der Liebe", Gütersloher Verlagshaus 2007

Welchen Problemen Wolfgang Schmidbauer in seiner täglichen Praxis begegnet, erzählt er im Interview mit ZEIT ONLINE.

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