Dass er ein innerlich zerrissener Mensch war und sich damit das Leben oft unnötig schwer machte, das war Teil des Mythos, der ihn schon in jungen Jahren umgab. Die Älteste seiner vier Töchter aus erster Ehe brachte es später auf den Punkt: "Er war ein Baptist mit der Seele eines Mystikers. Er war ein Poet, dem harte körperliche Arbeit vertraut war. Er war ein aufgeklärter Mensch, der von Sucht und Gram gepeinigt wurde." Wie so oft war seine seelische Zerrissenheit freilich auch Spiegel der äußeren Welt, die ihm von Kindesbeinen an viel zugemutet hatte.

Da war der Vater, ein zum Jähzorn neigender Farmer, der seine Söhne zur Arbeit heranzog und samstagabends in der Kneipe versackte. Da war die liebevolle, streng gläubige Mutter, die ihre sieben Kinder zur Gottesfurcht erzog. Eine solche Familie gestattet nur kleine Fluchten, die erlebte er vor dem Radio: Wenn er der Musik lauschte, konnte er die Enge vergessen, auch im Gottesdienst begeisterte ihn der Gospelgesang. Musik, egal welcher Gattung, zog ihn magnetisch an, insgeheim wusste er: Sie würde sein Leben werden. Nur wie?

Es brauchte einige Umwege, bis er, die Gitarre im Arm, endlich auf der Bühne stand. Erst kam noch die Armee dazwischen, eine Zeit im Ausland; danach jobbte er lustlos als Vertreter. Da war er 23, doch sein Alltag bestand schon aus lauter Pflichten. Zwei Jahre hatte er um das Jawort der Angebeteten gebuhlt; nun erwartete sie, dass er seine Versprechen einlöste – doch seine Träume, das wurde immer deutlicher, sahen anders aus als ihre. Das Zuhause, die Familie, oft sehnte er sich danach, wenn er auf Tournee war – zugleich entfloh er ihr. Eilte von Auftritt zu Auftritt, betäubte sich mit Alkohol und Tabletten. Nach etlichen Umzügen waren Frau und Töchter in einem Vorzeige-Eigenheim gelandet, doch er tauchte immer seltener dort auf. Und es war ja auch ein offenes Geheimnis, dass es längst eine andere in seinem Leben gab.

Vielleicht waren die zwei wirklich füreinander bestimmt. Sie müssen daran geglaubt haben, andernfalls hätten sie ihre anfangs als Skandal bezeichnete Liebe nicht gegen alle Widerstände durchgesetzt und dann über Jahrzehnte gelebt. "The taste of love is sweet, when hearts like ours meet…" Zwei Seelenverwandte, einander ebenbürtig als Künstler. Und an ihrer Seite überstand er sogar die Hölle des Entzugs.

Erfolg über Erfolg, allmählich bröckelnder Ruhm, ein fulminantes Comeback – kaum eine Etappe in seiner bewegten Laufbahn, die er nicht mit ihr teilte. Als sie gestorben war, sagte er: "Ich möchte weiter Musik machen und arbeiten, so gut ich kann. Sie würde das wollen, und ich will es auch." Doch nur knapp vier Monate hielt er es dann noch auf Erden ohne sie aus.

Ein anderer großer Musikerneuerer lobte sein Schaffen postum als Jahrhundertwerk: "Er war und ist der Polarstern, du konntest deinen Kurs nach ihm ausrichten". Wer war’s?

Wer wars?