Nun war ich bereits zum 17. Mal als Kommentator beim Dortmunder Sparkassen Chess Meeting, aber die Dortmunder verwirren mich noch immer. Für mich galt bisher unumstößlich das Diktum Gerd Kolbes, der in Dortmund für die Fußball-WM 2006 verantwortlich war und auch das Schachturnier leitete: "Schach wird in Dortmund nur vom Gesamtkunstwerk BVB übertroffen." Doch dann meinte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Uwe Samulewicz: "Fußball wird abgelöst vom Schach… und dann kommt noch die Love-Parade!" Ein hübscher Dreiklang. Noch weiter ging Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer: "Das Sparkassen Chess Meeting ist seit Jahren die wichtigste Einzelveranstaltung Dortmunds." Und wo bleibt der Fußball, frage ich? Immerhin schrieb er in seinem Grußwort auch: "Tausende Dortmunderinnen und Dortmunder feiern ›Rasenschach‹, also Fußball, mit einem großen Public Viewing auf dem Friedensplatz." Und wie sagte der BVB-Trainer Jürgen Klopp bei seiner Einführung? "Rasenschach hat noch keine Mannschaft von mir gespielt." Also offenbar langweilig, hasenfüßig, totgeplant. Oh, je!

Gelegentlich scheinen indes selbst Schach- spieler über ihren Schatten springen zu können und einfallsreich und mutig zu sein.

Der Holländer Loek van Wely als Schwarzer gab nach 1…De8 2.Tg3 Tg8 3.Lxf7 Txg3 4.hxg3 wegen des baldigen Matts nach 4…Df8 5.Dg6+ Kh8 6.Th1 auf. Wie hätte Deutschlands Spitzenspieler Arkadi Naiditsch, übrigens ein Spross der Dortmunder Schachschule, ihn nach 1…Sxb3 in wenigen Zügen mattgesetzt?

Helmut Pfleger

Lösung aus Nr. 36: