Ich möchte von einem Politiker den Satz hören: Ich habe eine Vision. Und dann will ich erfahren, wie er plant, sie umzusetzen – allen Widerständen zum Trotz. Seit Jahren beobachte ich, wie die Politik immer populistischer wird. Politiker versuchen gar nicht erst, gegen vorherrschende Stimmungen zu argumentieren, sondern orientieren sich an Meinungsumfragen und reden den Menschen nach dem Mund. In den Medien wird dann verglichen, welcher Politiker mit welchen Themen erfolgreicher ist. Ich träume davon, dass Politiker Menschen wieder zutrauen, Informationen verarbeiten zu können. Ich träume davon, dass sie nicht alles in Kampagnen verpacken.

Wir erleben seit einiger Zeit eine Amerikanisierung der Politik. Vor 20 Jahren saß ich vor dem Fernseher, sah zu, wie die Amerikaner ihre Präsidentschaftskandidaten kürten – und dachte nur: Was für ein Zirkus das ist! Ist das die Superbowl? Unser politisches Klima in Europa hat sich in eine ähnliche Richtung entwickelt: Politiker sind wie Schauspieler trainiert, sie haben gelernt, wie man die Hände bewegt. Aber ihre innere Flamme ist erloschen.

Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur in den USA habe ich daher mit gemischten Gefühlen verfolgt. Es wirkte oft wie ein Wettbewerb, in dem der politisch Korrektere gewinnt. Das war für Journalisten wie Manna vom Himmel. Seitenlang diskutierten sie, ob nun eine Frau oder ein Schwarzer besser an der Macht aussähe. Es ist eine Katastrophe, dass mehr über das Image der Kandidaten geschrieben wird als über deren Inhalte.

Was wird aus der versprochenen Veränderung? Ich träume davon, dass kleine Länder wie Dänemark sie anschieben. Innerhalb von fünf Jahren könnten wir beispielsweise unser Energiesystem umstellen, wir könnten ein Gesetz einführen, nach dem jedes neu errichtete Haus Solarenergie erzeugen und nutzen muss. Warum stecken wir nicht mehr Ressourcen in die Entwicklung neuer Autos, die cool aussehen und mit neuen Brennstoffen laufen? Dänemark könnte in all diesen Dingen ein Vorbild werden.

Die Wirklichkeit sieht anders aus, und das frustriert mich. In Dänemark findet leider kein Wandel statt. Unsere Demokratie scheint wenig ausrichten zu können. Sie fördert Kompromisse, die niemandem gefallen und vor allem Lobby-Interessen dienen – statt die Probleme von Grund auf zu lösen. Es ist so, als müsste man einen Patienten einer Herzoperation unterziehen, aber zuerst schneidet man an der Hüfte herum. Manchmal träume ich davon, eine Art grünen Diktator zu haben, der die ökologisch notwendigen Entscheidungen mit der nötigen Macht durchsetzt. Sollte ihm das nicht gelingen, können wir ihn ja immer noch ins Gefängnis stecken.

Aufgezeichnet von Ulf Lippitz

Mads Mikkelsen spielte im letzten James-Bond-Film ("Casino Royale") den Bösewicht Le Chiffre. In deutschen Kinos ist der 42-jährige Däne zurzeit in "Tage des Zorns" zu sehen, einem Film über zwei dänische Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg, der in Mikkelsens Heimatland alle Kassenrekorde gebrochen hat.

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