Bebel, Bernstein und Lassalle würden diese SPD nicht mehr erkennen, Ebert schon gar nicht. Diese älteste, größte und manchmal stärkste deutsche Partei lässt sich von einem Deserteur namens Lafontaine und einer machtberauschten Provinzfrau namens Ypsilanti jagen? Um auf 20 Prozent zu schrumpfen, derweil die Linke bei 15 liegt?

Die Altvorderen, die tapfer gegen Ganz-Rechts (NSDAP) und Ganz-Links (KPD) gekämpft haben, würden sich vor allem über die Sprachlosigkeit grämen. Wenn die SPD überhaupt gegen die Linke antritt, dann nicht mit Argumenten, sondern Anwürfen – so wie kleine Kinder im Du-bist-doof-Duell: Umstürzler, Stasi-Schurken…

Ein anderer Teil der SPD will sich gar mit ihrem schlimmsten Feind ins Bett legen, wie Andrea Y., die in ihrer Wahrheitsliebe nur noch von Pinocchio übertroffen wird. Dass Anschreien, Anwanzen und Abkupfern so gut funktionieren wie ein Windrad im Wohnzimmer, belegt der tägliche Niedergang in den Umfragen. Nur noch sechs Prozent trauen der SPD politische Kompetenz zu.

"Es ist Zeit für den inhaltlichen Kampf!", rief Klaus von Dohnanyi den Genossen im März zu. Es blieb beim "Gut gebrüllt". Im August 2007 hatte Fraktionschef Peter Struck die Genossen mit einem Papier zu munitionieren versucht, das akribisch addierte, was die Heilsversprechungen der Linken den Staat kosten würden: 154,7 Milliarden pro anno. Dies allerdings in einer dürren Sprache, die allenfalls einen Amtsmann erregen könnte.

"Wie gegenfinanzieren?" ist ebenfalls kein aufrüttelnder Slogan. Warum machen die Genossen dem Wahlvolk nicht klar, dass die 150 Milliarden Dolce Vita auf Pump wären und ihre Kinder dafür zahlen müssten? Dass solche trickreichen Wohltaten der Verrat an der Jugend wären, die Kostenabwälzung von den Toten auf die Lebenden?

Den Lafontisten ist die Zukunft egal – zum ersten Mal in der Geschichte der Linksparteien, die stets dem Fortschritt huldigten. Das "Utopia" dieser Linken ist geradezu ein reaktionäres: zurück in die Goldenen Sechziger der Abschottung, der staatlichen Monopole, der rationierten Konkurrenz. Dass die Bundespost für ein Ortsgespräch 20 Pfennig nahm, wofür man heute (inflationsbereinigt) 20 Minuten mit der Oma in Winsen telefoniert, unterschlagen die roten Reaktionäre genauso wie den anti-emanzipatorischen Pferdefuß, der in der Forderung nach den alten Ladenschlusszeiten steckt. Die trafen doch just die kleinen Angestellten, denen nach Büroschluss nur noch Minuten blieben, um das Abendbrot zu sichern.