Als ich jung war, brauchte man nicht viel, um Urlaub zu machen: einen Schlafsack, ein Zelt – und einen Daumen, um ihn an einer Straße herauszustrecken. Irgendwann landete man auf einem Campingplatz. Dort brühte man sich auf einem Gaskocher seltsam schmeckenden Kaffee und verwilderte. Mittlerweile fühle ich mich zu alt fürs Zelt – aber zu jung, um meinen Urlaub in einem Wohnmobil zu verbringen. Damit Menschen wie ich für den Campingurlaub trotzdem nicht verloren gehen, gibt es den SpaceCamper, den eine gleichnamige Firma aus Darmstadt herstellt.

Der SpaceCamper ist ein VW-Bus T5, der zu einem Freizeitmobil umgebaut wurde. Im Alltag dient er als Familien- und Ausflugswagen, im Urlaub als Hotelzimmer. Tatsächlich bietet er alles, was man als Stadtbewohner braucht: Doppelbett, Kleiderschrank, Küchenmodul mit Spüle, Klapptisch – und sogar eine kleine Dusche. Die Vordersitze können umgedreht werden, dann lässt sich zu fünft im Auto tafeln. Mit wenigen Handgriffen kann man die Sitz- und Liege-Elemente herausnehmen, so wird der Wagen zum Transporter. Im SpaceCamper lässt sich alles unterbringen, was man für die Freizeit braucht: Fahrräder, Surfboards oder – in meinem Fall – eine Familie mit drei Kindern.

Als wir auf dem Campingplatz an der mecklenburgischen Seenplatte ankommen, erkennen wir, dass der Bus für soziales Prestige sorgt – und zwar klassenübergreifend. Die routinierten Freilufturlauber, die abends im Schein des Mückenvernichters im Wohnwagenvorzelt dinieren, interessieren sich für die Einrichtung. Die jugendlichen Alkopopper sind von den Breitreifen mit Alu-Felgen beeindruckt. Ich selbst freunde mich mit dem Kühlschrank an – er serviert perfekt temperiertes Bier.

Wir lagern die Kinder im Zelt aus und schlafen auf der Liege im Fond fast so gut wie im heimischen Schlafzimmer. Erst als ich am Morgen ohne Rückenschmerzen, Mückenstiche und Ameisen im Gesicht aufwache, bemerke ich, dass etwas nicht stimmt: Ist das noch Camping? Zum Glück gibt es den integrierten Gaskocher. Darauf brühe ich mir Kaffee – er schmeckt herrlich seltsam wie früher.

Ich beschließe, dass Camping keine Frage der Ausstattung, sondern der Einstellung ist. Ich höre auf, mich zu rasieren und zu waschen. Nach ein paar Tagen sehe ich aus wie ein Wilder. Wahrscheinlich war es dem feinen SpaceCamper (und meiner Familie) unangenehm, mit mir gesehen zu werden. Aber so ist das mit den jungen Leuten.

Technische Daten:
Motorbauart: 1,9-Liter-Turbo-Dieselmotor
Leistung: 75 kW (102 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 18,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 157 km/h
CO²-Emission: 203 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,5 Liter
Basispreis: 34.990 Euro