Diese jungen Waldrappe, auch Europäische Ibisse genannt, folgen einem Ultraleichtflugzeug. Darin fliegt ihr Lehrer voraus, ein Vogelkundler, der die Tiere von Hand großgezogen und auf sich geprägt hat. Die Ibisvögel müssen wieder lernen, was ihre Vorfahren jahrtausendelang beherrschten: Zugrouten aus dem spätsommerlichen Deutschland und Oberösterreich nach Italien zum Überwintern.

Bis ins 17. Jahrhundert erlernten alle Jungvögel das Ziehen von ihren wilden Eltern – doch dann rotteten hauptsächlich Jäger den Waldrapp in Mitteleuropa aus. Seit vier Jahren versucht ein internationales Projekt unter österreichischer Führung (www.waldrappteam.at), unterstützt von der Heinz Sielmann Stiftung und dem WWF Italien, die roten Krummschnäbel mit dem schwarzgrün-metallisch schimmernden Gefieder wieder in ihrer alten Heimat anzusiedeln.

In diesem Jahr startete Mitte August ein Dutzend junger Waldrappe im bayerischen Burgdorf mit zwei Fluglehrern. Das Team hat auf weitem Umweg über Österreich und Slowenien die Alpen umflogen und Norditalien erreicht. Nun fliegt es entlang der Adriaküste zur Endstation Toskana, Ankunft etwa 25. September. Den Weg zurück finden die Vögel im Frühjahr alleine. Das Fernziel lautet, aus flugtrainierten Ibissen eine stabile, allmählich verwildernde Population aufzubauen.