Diese Platte hat mein Leben gerettet. 1966. Die Not war absolut. Ich 16. Den Körper verloren, aus der Familie gefallen, in der Schule gestrauchelt, den Freunden entfremdet. Keine Heimat. Von Gott verlassen. Nicht gelandet bei Mädchen. Niemand nirgendwo, der eh nix versteht, vor allem nicht mich.

Plötzlich diese Platte. Sie kam vom Himmel. Ein Blitz. Erhellt das Stockdunkel meiner Existenz. Als hätte ICH jedes Wort geschrieben! Als hätte ICH jeden Ton gesetzt! Als hätte ICH jeden Refrain gebrüllt, 44 x in 3 Minuten, 19 Sekunden: My Generation.

Pubertät bis zur Halskrause. Pickel bis zum Haaransatz, die Physis zum Platzen gespannt, ein einziger Krampf. Aufgeklärt mit Biene Maja. Panik – der Penis explodiert im Traum. Horror, wo überall Haare wachsen! Ungeliebt, unberaten, unerlöst. A b-big s-s-sensation.

Vater hatte eine neue Musikanlage angeschafft, Stereo – das Schallplattenfach abschließbar! Damit die Söhne keine Beatles hören: "Diese Negermusik macht den Saphir kaputt!" People try to put us d-down.

Kinderzimmer nur KZ, Elternhaus Parteizentrale, mit Vater Adolf und Mutter Eva Braun zu Mittag, Mathe 5, Latein 6, Verweis wegen Rülpsens im Religionsunterricht – die ganze Schulscheiße auf dem Tisch, Häkeldecke. Im Nebenzimmer "Bravi", der blöde Bruder, hört Peter Kraus im Radio von Schaub-Lorenz. Things they do look awful c-c-cold.

Papi satt, Mami satt, Lehri satt. Alle satt & Alles über 30. Hope I die before I get old.

My Generation knallte wie ein Katapult direkt ins Herz. DAS BIN ICH. 3 Minuten, 19 Sekunden. Gerettet! My Generation ist der Muskel meiner Revolution.