Hauptsache protzig: Die Kronjuwelen der berühmtesten Rapper werden am 1. Oktober in New York versteigert

"Boom, boom, shing/ I shine like bling bling"

"Plattenspielerring" von Missy Elliott

Damien Hirsts diamantenbesetzter Totenschädel bleibt das schönste Sinnbild für den heutigen Zustand der Kunstwelt, für ihre hysterische Sehnsucht nach immer mehr Glamour und Glitzer. Nach mehr Bling-Bling würden die seit eh und je klunkerversessenen Hip-Hop-Stars sagen. Die fühlen sich allmählich auch auf Kunstmessen sehr wohl. Kürzlich erst hat Jay-Z, einer der bekanntesten Rapper unseres Jahrzehnts, geradezu programmatisch verkündet: "Ich mag jetzt auch Kunst!" Und das erste Kunstwerk, das er kaufte, war natürlich von Damien Hirst.

Doch auch der Kunstmarkt interessiert sich für die Welt des Hip-Hop: Am 1. Oktober versteigert das Auktionshaus Phillips de Pury & Company in New York rund siebzig extravagante Kettenanhänger, Ringe, Uhren und andere Preziosen aus dem Besitz von Hip-Hop-Größen wie Nas, Busta Rhymes, 50 Cent und Jay-Z. "Die Kronjuwelen des Hip-Hop" nennt sich diese beispiellose Veranstaltung, bei der 30 Millionen Dollar umgesetzt werden sollen und zu der sich wohl auch allerhand Rap-Prominenz einfinden wird. Im Publikum wie auf dem Auktionspult also viel Bling-Bling.

Bei dem wunderschönen Südstaaten-Slangwort Bling-Bling, das sich Ende der neunziger Jahre als Bezeichnung für protzigen Schmuck und einen entsprechenden Lebensstil durchsetzte, handelt es sich um ein sogenanntes Ideophon, also ein Wort, das eine Eigenschaft mit einem Laut zu umschreiben versucht. "Boom, boom, shing / I shine like bling bling", rappt Missy Elliott, und das ist nur einer von vielen, vielen Versen, in denen das Bling-Bling verarbeitet wurde. Von Missy Elliott werden in der Auktion Goldringe und Armbänder aufgerufen, die Plattenspieler darstellen, bei denen statt Vinyl schwarze Diamanten auf dem Plattenteller liegen. Auch andere Musiker bezeugen ihrem Medium, ihrer technischen Grundausstattung blinkenden Respekt: Biz Markie hat diverse Kettenanhänger aus Gold und Edelsteinen eingeliefert, mal in Form eines Kopfhörers, mal als niedliche, mit Brillanten überladene Minikassette (Schätzpreis: 95000 Dollar). Gefährlicher wirkt die Augenklappe von Slick Rick, deren farbige Diamantapplikationen ein Camouflage-Muster ergeben.

Dass nicht alles nur Pose, Spiel oder gar Kunst ist, daran erinnern auch die mondänen Uhren und Ringe der berühmtesten Toten des Hip-Hop, der Rivalen Notorious B.I.G. und Tupac Shakur. Die bizarrste Art von Bling-Bling hat indes der Produzent Pharrell Williams eingeliefert: vier Paar reizender grills. Mit diesen edelsteinbesetzten Zahnspangen hat jeder gut lachen. Daniel Völzke