Kindheit und Jugend hatte er in einem kleinen Land Europas verbracht – und sich dort schon früh als Kosmopolit gefühlt, jedenfalls erzählte er das in einem späten Interview: "Ich war ein Mann von Welt, bitte verstehen Sie das mit einem Lächeln… da gab’s doch diesen Tingeltangel von Friedrich H., dieses Lied über meine Landsleute, ›Rattengift her, Rattengift her‹. Ich habe mich wegen der Zeilen ein wenig beleidigt gefühlt, aber irgendwann hat der H. dann doch recht gehabt."

Mag sein, dass er die weltoffene Haltung von seiner Mutter übernommen hatte, sie schwärmte von den USA. Was dazu führte, dass sie ihrem Sohn einen amerikanisch klingenden zweiten Vornamen gab. In ihr Sehnsuchtsland konnte sie sich allerdings, als es nötig gewesen wäre, dann nicht mehr retten. Auch ihr Mann, sein Stiefvater, entkam den Verfolgern nicht. Den Verlust der Familienangehörigen hat er später mehrfach in seiner Arbeit thematisiert; der ernste Teil seines Œuvres, den man heute kaum mit ihm verbindet – sein Markenzeichen war und blieb der Humor.

Den hatte er beim Schreiben entwickelt, als Coautor von Drehbüchern und zuvor als Reporter. Schreibend hatte er sich und den Lesern die Gesetze der Welt erklärt, etwa in den Kaffeehäusern: "(Sie) haben etwas vom Wesen gut eingespielter Geigen, sie geben Resonanz, schwingen mit und verleihen spezifische Klangfarbe… und wunderbar vibrieren Gebälk, Vertäfelung und selbst die Möbelstücke im Lebensrhythmus der Besucher."

So schreibt einer, der erstens gut beobachtet, zweitens in prägnanten Bildern denkt und drittens analysieren kann – Eigenschaften, die er in seinem späteren Metier dann bis ins Detail perfektionierte. Wen wundert’s, das er unter den vielen Begabten, die gleich ihm in einer fremden Heimat Fuß fassen mussten, einer der Erfolgreichsten wurde.

In der Mitte des Lebens gelangen ihm seine wohl besten Werke, manche gelten bis heute als Klassiker. Und so unterschiedlich sie ausfielen, sosehr er Genres ausprobierte, bestimmte Fragen tauchen immer wieder auf, zum Beispiel die nach der Identität: Bin ich der Mensch, für den ich mich selber halte? Bin ich der, der ich öffentlich vorgebe zu sein? Wo beginnt der Schein, wo das Sein – und an welchem Punkt wird das Spiel zur Tragödie? In einem seiner größten Erfolge ging es um Leben oder Tod und zugleich um ebendiese Fragen. Einer großen Berühmtheit gelang darin eine ihrer nachhaltigsten Darbietungen. Angeblich soll es da ein Verhältnis gegeben haben, auf die Frage danach antwortete er aber grundsätzlich nie. Wahrscheinlich war es eh nur eines der Gerüchte, die ihn umrankten. Angeblich soll er auch die begehrtesten Auszeichnungen der Branche, die man ihm nach und nach verliehen hatte, als Türstopper in seinem Haus genutzt haben. Doch das war selbst einem so unkonventionellen Meister wie ihm nicht zuzutrauen. Wer war’s?

Frauke Döhring

Lösung aus Nr. 37:
Johnny Cash (1932–2003) gilt als einer der bedeutendsten US-amerikanischen Sänger und Songwriter, Bob Dylan, mit dem er befreundet war, bezeichnete ihn als "Polarstern". 1963 schrieb June Carter für ihn den Song "Ring of Fire", der von ihrer heimlichen Liebe und seiner Suchtgefährdung handelte und ihn endgültig weltberühmt machte