Wenn wir hier im ZEITmagazin über das neue iPhone schreiben, bekommt es den gebührenden Auftritt: großes Foto, großer Text, mit Zitaten von Philosophen und aus Büchern. Es ist eben ein tolles Ding. Jeder weiß, dass hinter dem iPhone Steve Jobs, der Chef von Apple, steckt. Das ist der Mann, der das Leben der meisten Menschen, die jünger sind als er selbst (53), verändert hat, weil er ihre Sehnsüchte besser kennt als sie selbst (ich will einen schönen Computer; ich will Musik auf einem weißen Gerät hören; ich will mein Handy um 90 Grad drehen können).

Hingegen weiß kein Mensch, wer hinter dem Blackberry bold steckt, dem neuen Handy, das ich seit einiger Zeit verwende. Es ist eine kanadische Firma mit dem Namen RIM, eine Abkürzung für research in motion, also "Forschung in Bewegung". Das klingt sehr funktional und ist auch so gemeint. Das neue iPhone verspricht einen neuen Lebensentwurf, das haben wir beim Kollegen R. gelesen. Der neue Blackberry verspricht – ja, was eigentlich? Auf die Antwort bin ich gestoßen, als ich eines Abends nachsehen wollte, ob mein Bruder eine angekündigte SMS geschickt hatte ("komme am samstag zum bundesliga-gucken zu dir, okay"?). Ich senkte kurz meinen Blick, doch nicht kurz genug, denn meine Freundin zischte kurz: "Musst du eigentlich immer arbeiten?"
Jede Wette: Beim iPhone hätte sie das nicht gesagt. Das iPhone steht für Leben, der Blackberry für Arbeit. Das iPhone ist cool, der Blackberry nicht. Das iPhone ist ein Designer-Turnschuh, der Blackberry ist ein hellblaues Hemd unter einem dunklen Sakko.

Warum werde ich trotzdem auf den letzten mir verbleibenden Zeilen ein Hohelied auf den neuen Blackberry bold anstimmen? Weil man so herrlich leicht und vor allem leise auf ihm schreiben kann, auch in Word-Dokumenten übrigens. Weil man sich so leicht zurechtfindet. Weil das Display eine brillante Darstellung bietet. Weil die Tonqualität beim Telefonieren warm und klar ist. Weil er so verdammt schnell im Internet ist. Weil er funktioniert. Und weil er sich darauf beschränkt, das Arbeiten zu erleichtern. Er will mein Leben nicht neu entwerfen. Er lässt mich auch mal in Ruhe.
Obwohl meine Freundin jetzt sicher wieder zischen würde.