Holt die Vergangenheit Frank-Walter Steinmeier ein? Von diesem Donnerstag an befasst sich der BND-Untersuchungsausschuss des Bundestages mit dem Einsatz von zwei deutschen Agenten während des Irakkriegs 2003. Zwei Jahre nach seiner Einsetzung wird der Ausschuss zur Wahlkampfarena: Hat sich die rot-grüne Regierung Schröder mehr als bisher bekannt an dem US-geführten Krieg beteiligt? Steinmeier war damals Kanzleramtsminister, spätestens seit seiner Nominierung zum Merkel-Konkurrenten ist er die zentrale Figur in der Bagdad-Affäre.

Im besten Fall läuft es für den Kandidaten wie nach den bisherigen vier Vernehmungen: Die Vorwürfe perlen fast wundersam an ihm ab, seine Sympathiewerte in Umfragen bleiben unberührt. Im schlimmsten Fall wird der Kandidat schwer in seiner Glaubwürdigkeit beschädigt.

Steinmeier und das teils schmutzige Geschäft des Antiterrorkampfs nach 9/11, das schienen bisher zwei verschiedene Welten zu sein. Doch nun tauchen Berichte auf, wonach die Agenten im März/April 2003 von Bagdad aus erheblich mehr und erheblich detailliertere Lage-Informationen lieferten als bisher bekannt. Die veröffentlichten Auszüge aus den vertraulichen Dokumenten lassen den Schluss zu, dass Deutschland der US-Armee, die selbst angeblich über keine Agenten am Tigris verfügte, eine entscheidende Hilfe beim Sturm auf Bagdad war. Mit der BND-Zentrale in Pullach als Mittler schien es demnach regelrecht Aufträge der Amerikaner an die Deutschen gegeben zu haben. Existierte sogar eine Art Deal, wonach Deutschland als Gegenleistung einen Verbindungsoffizier im US-Oberkommando in Qatar mit an den Tisch setzen durfte, um über den Krieg aus erster Hand informiert zu sein?

Die Berichte sind keine Beweise, nur Indizien. Unstrittig ist, dass die BND-Männer nicht eigenmächtig handelten, sondern ihr Einsatz vom Kanzleramt autorisiert war – auch vom damaligen Amtschef. Bisher gilt Steinmeiers Einlassung von 2006: Demnach gab es zumindest "keine aktive Unterstützung" des US-geführten Krieges.

Diese Aussage ist bereits mit den neuen Indizien nur schwer in Einklang zu bringen. Entscheidend ist aber letztlich die Frage, was noch in den geheimen Papieren steht – und was davon öffentlich wird. Werden sich die Parlamentarier wie zuletzt zu häufig im Klein-Klein der Befragungen verlieren, oder werden sie diesmal, zum ersten Mal, substanzielle Beweise finden?

Diesen Donnerstag sitzen die BND-Agenten auf dem Zeugenstuhl. Noch vor Ende des Jahres soll der Kanzlerkandidat vernommen werden.