Schweigen ist ein so faszinierendes Thema, dass permanent darüber geredet wird. Die wenigsten aber haben etwas so Kluges zu sagen wie Ernest Hemingway: "Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen, und 50 Jahre, um schweigen zu können."

Nun, mit seinen 68 Jahren ist Franz Müntefering als Schweiger gerade erwachsen genug, um zu wissen, dass es in der Politik noch Wirkungsmächtigeres gibt, als mit Dreiwortsätzen in einem Münchner Braukeller einen SPD-Vorsitzenden abschussreif zu reden: zum richtigen Zeitpunkt einfach mal die Klappe halten. Über die Kraft des Schweigens sollte Müntefering diese Woche beim Redenschreiber-Kongress in Berlin einen Vortrag halten. Doch dann quasselte sich die Republik den Mund fusselig darüber, was seine Rückkehr an die SPD-Spitze bedeute, sodass Müntefering entschied, die Kraft des Schweigens einfach wirken zu lassen – und sagte ab. Münte schweigt – und bleibt damit in aller Munde.

Si tacuisses…,Friedbert Pflüger. Hätte der CDU-Politiker, ein Großbürger in Auftritt und Selbstbild, seinen Schopenhauer gründlicher gelesen, wäre ihm sicherlich Besseres eingefallen, als den Kleingartenstrategen der Hauptstadt-CDU in wortreicher Konfrontation zu begegnen, um seine Ambitionen auf den Landesvorsitz durchzusetzen. "Dummköpfen und Narren gegenüber", so heißt es da, "gibt es nur einen Weg, seinen Verstand an den Tag zu legen, und der ist, dass man mit ihnen nicht redet." Pflüger redete – und schweigt jetzt in Berlin für immer. Nicht bei allen, so lernen wir daraus, hat Schweigen etwas mit Kraft zu tun. Peter Dausend