Einer breiteren Öffentlichkeit wurde der Erziehungswissenschaftler Jürgen Baumert als Leiter des deutschen Teils der ersten Pisa-Studie (Programme for International Student Assessment) bekannt, die Ende 2001 großes Aufsehen erregte. Selbst die Forscher waren schockiert darüber, dass in Deutschland eine große Gruppe sogenannter Risikoschüler identifiziert wurde: Ein knappes Viertel der Fünfzehnjährigen konnte nicht flüssig lesen und nur auf Grundschulniveau rechnen. Baumert ist der einflussreichste deutsche Bildungsforscher. Seit 1996 ist er Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Er sitzt in allen wesentlichen Beratungsgremien der Bildungspolitik; seine Schüler leiten einige der wichtigsten pädagogischen Forschungsinstitute. Jürgen Baumert liebt den Widerspruch. In den stark ideologisch geführten Debatten, etwa um die Gesamtschulfrage, hat er jedoch nie Partei ergriffen. Sein Motto: "Misstraue allen schnellen Lösungen."

Foto: Gerhard Westrich/laif