Zivilisiert den Kapitalismus!, forderte Marion Gräfin Dönhoff in einer Rede, die sie 1996 hielt. Einige Auszüge:

"Als Wirtschaftssystem ist die Marktwirtschaft unübertroffen. Für eine Sinngebung hingegen reicht sie wirklich nicht aus… Die Marktwirtschaft beansprucht den Menschen ganz und duldet keine Götter neben sich. Ihr Wesen ist der Wettstreit und ihr Motor der Egoismus: Ich muß besser sein, mehr produzieren, mehr verdienen als die anderen, sonst kann ich nicht überleben. Die Konzentration auf dieses Prinzip hat dazu geführt, daß alles Geistige, Kulturelle an den Rand gedrängt wird und immer mehr in Vergessenheit gerät…" "Was den Kapitalismus und die Marktwirtschaft angeht, so muß man sie unter allen Umständen erhalten und sie nicht abschaffen wollen – sie müssen nur sozusagen zivilisiert werden. Grenzen müssen gesetzt werden: Freiheit ohne Selbstbeschränkung, entfesselte Freiheit also, endet auf wirtschaftlichem Gebiet zwangsläufig in einem Catch-as-catch-can und schließlich in dem Ruf nach einem ›starken Mann‹, der alles wieder richten soll."

Beaufsichtigt die neuen Großspekulanten!, forderte Helmut Schmidt in einem Aufsatz, der im Februar 2007 – sechs Monate vor Ausbruch der Finanzkrise – erschien. Auszüge:

"Die New Yorker Investmentbank Goldman Sachs hat im vergangenen Jahr 16 Milliarden Dollar an ihre Vorstände und Mitarbeiter ausgezahlt, die fünf größten amerikanischen Investmenthäuser zahlten insgesamt 36 Milliarden Dollar. Für einen deutschen Staatsbürger ist das eine unvorstellbare Summe, sie entspricht in der Größenordnung der Jahreskreditaufnahme durch den deutschen Finanzminister. Man fragt sich unwillkürlich, ob auf den Finanzmärkten alles mit rechten Dingen zugeht."

"Bank- und Fondsmanager erfinden täglich neue spekulative Finanzderivative, deren Risiken weder der private Kunde noch der eigene Vorstand ausreichend beurteilen kann."

"Unter den transnational vernetzten Finanzmanagern können Psychosen und Domino-Reaktionen entstehen, welche einen einzelnen Fehlschlag weltweit ausbreiten und vervielfachen. Jedoch können nur die wenigsten Finanzminister der Welt heutzutage das finanzielle Risiko beurteilen und eingrenzen, das ihre eigene Volkswirtschaft betrifft."