Die Zeit: Frau Tumpel-Gugerell, macht Ihnen Ihr Job eigentlich Spaß? Zentralbänker werden ständig kritisiert, die Bezahlung ist auch nicht üppig – und mit einem falschen Wort können Sie Markttumulte auslösen.

Gertrude Tumpel-Gugerell: Natürlich macht es Freude. Für Ökonomen ist die Arbeit in einer Zentralbank eine der spannendsten und verantwortungsvollsten Tätigkeiten, die es gibt. Die Entscheidungen, die man trifft, beeinflussen immerhin die Geschicke ganzer Volkswirtschaften.

Zeit: Die Konjunktur bricht gerade ein, die Börsen geben nach, erste Ökonomen warnen vor einer Rezession. Warum senkt die EZB nicht die Zinsen?

Tumpel-Gugerell: Richtig ist: Wir hatten einen enormen Preisschub auf den Rohstoffmärkten; außerdem leidet die Kaufkraft der Konsumenten unter anhaltend hohen Teuerungsraten, und die Exporteure spüren die Abschwächung in den Märkten wichtiger Handelspartner wie den USA und Großbritannien.

Zeit: Also?

Tumpel-Gugerell: Wir gehen aber davon aus, dass sich die Konjunktur nur vorübergehend abschwächt und sich die Wirtschaft wieder erholt.

Zeit: Sie könnten es Unternehmen und Verbrauchern leichter machen.