Die Antwort der beiden jungen Redakteure auf den Artikel Jens Jessens hat mich nicht nur über alle Maßen geärgert, sondern auch Herrn Jessen voll und ganz bestätigt. Ja, sein Artikel war drastisch formuliert und zeichnete ein düsteres Bild – eine Polemik eben. Was ist deren Sinn? Ärgern und Wachrütteln. Reagiert haben die Antwortenden nur mit Beleidigungen und trägen Ausreden.

Wir leben in einer Welt, in der es zum Tagesgeschehen gehört, dass Staaten andere Staaten angreifen und Tausende von Zivilisten einfach auslöschen. Und das aus wirtschaftlichen oder pseudosicherheitspolitischen Gründen. Wer sich in einer solchen Welt damit herausredet, er gehe ja im Biomarkt einkaufen und diskutiere das Weltgeschehen in seiner MySpace-Gruppe, der ist meiner Ansicht nach einfach nur träge und feige.

In den Biomarkt geht niemand, weil er glaubt, dadurch die Welt zu verbessern, sondern weil es der eigenen Gesundheit zuträglich und moralisch unverfänglich erscheint.

Solange die junge Generation nicht geschlossen sagt: "Schluss jetzt!", stellt sie sich entgegen aller "subtilen" Bemühungen im eigenen Umfeld als charakterlos dar. Das hat nichts mit "effizientem Idealismus" zu tun, sondern einfach nur mit dem Streben nach größtmöglicher Behaglichkeit.

Philipp Richter, Berlin

Meinen Respekt für Ihre Antwort auf Die traurigen Streber von Herrn Jessen. Die große Selbstgerechtigkeit, mit der Herr Jessen auf Ihre Generation schaut, ist seine und auch meine Kindergeneration.

Ich bin sehr stolz auf diese Generation, denn sie hat etwas, was meiner Generation oft fehlte, weil wir ständig in irgendwelche Kämpfe verwickelt waren: Gelassenheit, auch eine bestimmte Großzügigkeit und vor allem eine entspannte Zielstrebigkeit, die sich sehr deutlich in Ihrer Antwort widerspiegelt.