Dass es so wenige intellektuelle Frauen, keinen New Yorker und auch keine New York Review of Books in Deutschland gibt und die klugen Frauen kaum Chancen haben, wahrgenommen zu werden, hat viele Gründe, von denen einige in dem Artikel genannt werden. Es könnte zudem damit zu tun haben, dass bis weit in die 1990er Jahre Zuwanderinnen kaum integriert, geschweige denn gefördert wurden, und vielleicht hat es ja auch immer noch damit zu tun, dass jüdische Autorinnen, Verleger, Zeitungsmacher, Professoren und viele andere kluge Menschen aus diesem Land vertrieben und umgebracht worden sind.

Dr. Hazel Rosenstrauch, Berlin

Danke für die prächtigen Hinweise auf vernünftige und tüchtige Frauen und ihre intellektuellen Leistungen. Es verlockt zunächst sehr, in das berechtigte Lamento mit einzufallen, weibliche Intellektuelle hätten es hierzulande besonders schwer. Meine Lebenserfahrung in drei verschiedenen Ländern als akademisch gebildete arbeitende Mutter hat mich auch sehr wohl gelehrt, dass Frauen mit "starker Meinung" tatsächlich in Deutschland unbeliebter als anderswo sind. Das sieht man auch in jeder Talkrunde, wenn mittelmäßige Männer klugen Frauen ständig ins Wort fallen. Das gilt für eine Frau von der Leyen oder eine Frau Merkel, die nicht ohne ihr bewusst mädchenhaftes Auftreten in politische Machtpositionen kommen konnten. Blicke ins Ausland zeigen uns in Politik und Wirtschaft ganz andere Frauenbilder, die schon optisch viel schriller, raumeinnehmender, weiblicher und lauter auftreten: Ein Minirock wäre dagegen der öffentliche Tod vieler Frauen in deutschen Machtpositionen.

Alles in Mayers Artikel stimmt, aber ich finde, allein die Bestandsaufnahme und das Lamentieren reichen nicht aus. Wir wollen ordentlich laut weiterdenken und noch mehr Wahres sagen. Wir haben sehr wohl auch intellektuelle Frauenikonen, die vielleicht medial nicht reizvoll sein mögen wie Sontag oder Didion. Glamouröse intellektuelle Frauen in Deutschland? Die erwähnte Schwan ist natürlich eine solche, Gräfin Dönhoff war eine weitere, Christa Wolf ist eine – und was für eine! – und viele meiner Freundinnen und Kolleginnen sind welche – aber wie!

Aus Mayers richtiger Bestandsaufnahme muss ein Plädoyer für die klugen Frauen folgen und der Appell, diese Klugheit schamlos und offensiv zu verbreiten: als "kichernde Professorin", als Powerfrau und Alphamädchen oder meinetwegen auch als intellektuelles Glamourgirl.

Monika Guttack, Bad Oldesloe