Als intersexuell werden Menschen bezeichnet, bei denen die äußeren Geschlechtsmerkmale nicht mit den Chromosomen und Keimdrüsen (Hoden oder Eierstöcke) übereinstimmen. Experten schätzen, dass eins von 5000 Kindern betroffen ist. Eine der häufigsten Diagnosen ist das Androgenitale Syndrom (AGS), dem eine Störung der Nebennierenrinde zugrunde liegt. Mädchen haben meist eine vergrößerte Klitoris, die Patientinnen müssen lebenslang Cortison einnehmen.

Eine weitere häufige Form ist das Androgen-Insensivitätssyndrom (AIS). Zwar ist der Chromosomensatz männlich, aber der Körper reagiert nicht auf die männlichen Hormone, sodass sich ein weibliches Erscheinungsbild entwickelt. Bei partieller Insensivität (PAIS) ist dieses meistens vermännlicht. Ist die Insensivität komplett (CAIS), erscheinen die Betroffenen sehr weiblich. Entdeckt wird ihre Intersexualität oft erst, wenn mangels Eierstöcken und Uterus die Menstruation ausbleibt oder bei einer Operation Hoden gefunden werden.

Die dritte große Gruppe bilden Gonadendysgenesien, Fehl- oder Nichtentwicklungen der Keimdrüsen; die Ursache ist oft unklar.

Mit Hilfe einer Evaluationsstudie sollen jetzt erstmals Behandlungsleitlinien für Kinder und Jugendliche entwickelt werden. Seit 2004 sind unter Leitung der Kinderklinik Lübeck 400 Patienten – vom Säugling bis zum Erwachsenen – erfasst worden. Die Ergebnisse sollen bald veröffentlicht werden.

i Weitere Informationen im Internet: www.zeit.de/2008/39/intersexualitaet