Anfang der Woche bezeichnete der russische Unternehmerverband die Lage an der Moskauer Börse noch diplomatisch als eine "Situation, die wir nicht Krise nennen". Das war ganz im Sinne von Präsident Dmitrij Medwedjew (Foto), der am Montag Optimismus verbreitete, da angeblich nicht einmal eine Vorkrisensituation in Sicht sei. Doch am Dienstag sank der wichtige RTS-Aktienindex überraschend stark – im Vergleich zum Juli betrug das Minus sogar mehr als 45 Prozent. Panikstimmung machte sich breit, und allein auf die Finanzkrise in den USA wollten es die meisten Analysten nicht schieben. Schon seit Wochen diskutieren sie über alternative Ursachen: den Georgienkrieg, den Streit der Anteilseigner der russisch-britischen Ölfirma TNK-BP, die öffentlichen verbalen Ausfälle des Premierministers Wladimir Putin gegenüber dem Tscheljabinsker Metallurgiekonzern Metschel und die unklaren Signale zur einst versprochenen Steuervergünstigung für Ölfirmen. Medwedjew und Putin, die sich öffentlich sonst um gleichförmige Zwillingsstatements bemühen, zeigten sogar eine seltene Meinungsverschiedenheit: Präsident Medwedjew gestand ein, dass das Börsendebakel und die folgenden Liquiditätsengpässe "zu 25 Prozent" auf heimische Probleme und die Folgen des Krieges in Georgien zurückgingen. Putin dagegen konstatierte: "Es ist in keiner Weise mit der Krise im Kaukasus verbunden." JVDie Umweltindustrie hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Zu diesem Ergebnis kommen die beiden Wissenschaftler Martin Jänicke und Robert Zieschank von der Forschungsstelle für Umweltpolitik an der Freien Universität Berlin. Allein im Bereich Klimaschutz seien im Jahr 2005 Investitionen getätigt worden, deren Höhe fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspräche. Insgesamt wachse die deutsche Ökoindustrie mit etwa acht Prozent pro Jahr.

In ihrer Studie, die von der Deutsch-Britischen Stiftung in Berlin finanziell gefördert wurde, haben die beiden Wissenschaftler auch ermittelt, dass der Bereich Ressourcenschonung derzeit besonders stark wächst. Dabei geht es unter anderem um den möglichst effizienten Einsatz von Energie und Rohstoffen. Demgegenüber stagniere die Nachfrage nach Technologien, die der Beseitigung von Umweltschäden dienen – wie beispielsweise Filter für Abgasanlagen.

Als besonders einflussreich bewerten die Forscher die Rolle der Politik. In der Vergangenheit hätten Maßnahmen wie die Ökosteuer oder die finanzielle Förderung der Sanierung von Altbauten maßgeblich zur Weiterentwicklung der heimischen Umweltindustrie beigetragen. Jänicke zufolge wirke sich das positiv auf "Beschäftigungseffekte, Innovationen und Exportvorteile der deutschen Wirtschaft" aus. roh

Die Einkommensunterschiede in Deutschland sind im Jahr 2006 kleiner geworden. Es sei der erste Rückgang der Ungleichheit seit dem Mauerfall, meldet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Nach Berechnungen von Joachim Frick, Markus Grabka und Karl Brenke verringerte sich nicht nur die Ungleichheit der verfügbaren Einkommen, also der Einkünfte nach Berücksichtigung von Steuern, Abgaben und Sozialleistungen. Auch die reinen Markteinkommen, also Löhne und Kapitaleinkünfte, verteilten sich etwas gleichmäßiger über die Bevölkerung. Allerdings bleibt die Ungleichheit noch immer auf einem deutlich höheren Niveau als in den neunziger Jahren.

Gleichzeitig hat sich ein anderer Trend fortgesetzt: Der Anteil des Volkseinkommens, der auf Löhne entfällt, ist weiter gesunken. Die sogenannte Lohnquote reduzierte sich von 72 Prozent (im Jahr 2000) auf weniger als 67 Prozent. Auch das Stück des Kuchens, das die Selbstständigen erhielten, wurde kleiner. Nur die Vermögenseinkommen wuchsen in ihrer Bedeutung und erreichten etwa 20 Prozent der gesamten Einkommensmasse. Laut DIW sei das "nicht ausschließlich" Indiz einer Kluft zwischen Arm und Reich. Hierin spiegele sich auch, dass es immer mehr Ruheständler gäbe, die überdurchschnittlich oft auf Vermögenseinkommen zurückgreifen könnten. rud

Jahrelang war es in der Chemiebranche modern, Sparten abzuspalten. Inzwischen kauft man auch wieder zu. BASF kündigte jetzt an, den Schweizer Feinchemiehersteller Ciba übernehmen zu wollen. Der Ludwigshafener Konzern hat in China und anderswo eine Menge Geld verdient, das dringend wieder angelegt werden muss. Insofern verwundert es kaum, dass er sein Portfolio ausbaut. Es ist auch nicht das erste Mal: Vor zwei Jahren kaufte BASF-Chef Jürgen Hambrecht den US-Katalysatorenhersteller Engelhard, kurz darauf die Bauchemie von Degussa. In beiden Fällen rechtfertigte sich der hohe Preis dadurch, dass die neuen Sparten gute Margen mitbrachten und halfen, die Konjunkturabhängigkeit des klassischen Chemiegeschäfts auszugleichen. Ciba jedoch entstand bei der Gründung des Pharmakonzerns Novartis aus den wenig beliebten Restprodukten der Vorgängerfirmen. In den zehn Jahren seither hat sich das Geschäft mit Kunststoff- und Lackzutaten, Wasser- und Papierchemikalien nur mäßig entwickelt. "Das wird teilweise auch harte Restrukturierungsmaßnahmen erfordern", sagte Hambrecht mit Blick auf die Papiersparte, denn auch BASF selbst bereiteten diese Produkte schon Probleme. Für 3,8 Milliarden Euro kauft Hambrecht nun einen Sanierungsfall. Wie teuer das wirklich ist, wird sich erst in einigen Jahren sagen lassen. hof

Das Geschäft mit Computern, Software, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik läuft besser als erwartet. Trotz der allgemein schlechten wirtschaftlichen Aussichten wird der Umsatz in Deutschland im laufenden Jahr um 1,8 Prozent auf 145,5 Milliarden Euro ansteigen, schätzt der Branchenverband Bitkom. Ursprünglich war der Verband bloß von plus 1,6 Prozent ausgegangen. Vor allem die Nachfrage nach digitaler Unterhaltungselektronik sei überraschend hoch. Auch das Geschäft mit Informationstechnik wachse, während die Umsätze im Bereich Telekommunikation weiter nachließen. roh